10. 8. - In der Rabenschlucht
In der Nacht hat es ein paarmal geregnet - wie üblich in ersten Zeltnächten habe ich einen leichten Schlaf - und am Morgen hängt der Wald voll Nebel und Feuchtigkeit. Wirkte es gestern auf uns noch so trocken, dass wir den Kocher nicht in Betrieb hätten nehmen wollen, hat sich dieses Thema heute erledigt, aber Frühstück kochen wir uns trotzdem nicht, sondern brechen direkt auf. Wir wollen heute bis nach Jotunheimen fahren und die erste Tankstelle mitnehmen.
Hinter Oslo genehmigen wir uns also einen Kaffee und ein Teilchen, danach führt uns das Navi in die Hügel und Berge Telemarks. Gleichzeitig wird das Wetter sonnig und wir gondeln auf gut ausgebauten Straßen durch die Gebirgswälder, wobei wir noch von den Schwiegereltern mitgegebene Salzgurken verzehren - lecker!







Als wir durch den Ort Heddal kommen, fällt mir ein, dass hier doch eine der bekanntesten Stabkirchen liegen soll - so eine haben wir noch nie im Original besichtigt und so schauen wir uns diese ausführlich an. Viele berichten, von der geringen Größe der Stabkirchen überrascht zu sein; das geht uns nicht so, aber diese Kirche ist auch die größte erhaltene Stabkirche.
In der Sonne duftet das Gebäude nach dem Teer, mit dem das Holz geschützt wird und wir können uns die zahllosen Schindeln ansehen, die ineinandergreifen und die vielen kleinen Dächlein und die Fassade überziehen. Das Innere ist im Vergleich relativ dunkel und schmucklos: Gerade Holzwände, deren Malereien dem Zahn der Zeit weniger gut standgehalten haben als die Fassade, und vereinzelte Schnitzereien. Sehr idyllisch liegt diese Kirche in einem weiten Tal, in dem wohl schon zu Wikingerzeiten viel Landwirtschaft betrieben wurde.
Als wir uns dann nach einer weiteren Verpflegungspause wieder auf den Weg machen, kommen wir kurz darauf an einem Wegweiser zur Ravnejuv vorbei - davon hatte ich gelesen, auch wenn mir nicht klar war, dass wir so nahe daran sind. Ich bin neugierig genug, dass wir noch einmal umdrehen und auf ein winziges Sträßchen einbiegen. Die Ravnejuv, ein tief eingeschnittenes Kerbtal, ist von der Straße nur ein paar Meter entfernt und wir haben einen weiten Blick nach beiden Seiten. Es gefällt uns hier so gut, dass wir unsere Weiterreise spontan auf morgen verschieben und planen, hier am Rand der Schlucht zu zelten.




Am Telemarkkanal in Dalen
Da es erst Nachmittag ist, erkunden wir noch ein wenig die Gegend. Im nahegelegenen Ort Dalen kaufen wir ein paar Kleinigkeiten ein und folgen einer Spazierrunde entlang des Flusses. Dalen liegt am westlichen Ende des Telemarkkanals idyllisch zwischen hohen, bewaldeten Rücken. Der Spazierweg ist als Waldlehrpfad hergerichtet, umrundet eine Flussinsel und überquert einen Flussarm schließlich auf flachen Steinen, die im Flussbett liegen. Am Schluss kommen wir wieder am protzigen "Dalen Hotell" heraus, das in der altnorwegischen Tradition "Sauteure Luxushotels in der Pampa" zu stehen scheint. Irgendwann will ich in so etwas einmal nächtigen, aber dieses ist mir zu orange.
Kurz vor der Ravnejuv führt ein kleiner Wanderweg in den Wald; hier könnte man über den Pass bis hinüber in das nächste Tal nach Eidsborg wandern und da es noch zu früh zum Zelten ist, beschließen wir, dem Weg bis zur Passhöhe zu folgen. Der Pfad folgt einem kleinen Bachlauf, führt uns durch den duftenden Bergwald und zum Schluss noch durch einen Sumpf. Auf dem Rückweg höre ich mit einemal hinter mir ein lautes Knacken und wie Heiko ins Straucheln kommt - einer seiner Wanderstöcke ist gebrochen! Zum Glück sind wir in einfachem Gelände und er kommt nicht zu Fall.
Dem letzten Urlaub fielen der Kochtopf und die Trinkblase zum Opfer, nun ist also der Stock ran - nun denn! Er wird hoffentlich das einzige Opfer bleiben.


Abends an der Ravnejuv
An der Ravnejuv unterhalten wir uns noch mit zwei norwegischen Urlaubern, die im Dalen Hotell abgestiegen sind. Sie ermahnen uns noch zur Vorsicht beim Zelten, dann sind wir an der Schlucht allein. Wir müssen ein wenig suchen, finden aber tatsächlich einen guten Platz für das Zelt, der mit Befestigungsmöglichkeiten, aber ohne Wurzeln ist . Zum Abendessen gibt es 5-Minuten-Terrine, die wir zum ersten Mal in diesem Jahr dabei haben. Die Gulaschsuppe ist in Ordnung, die Nudeln Bolognese grauslich, aber bei einem so tollen Platz geht auch das klar.