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14. 8. - Im heiligen Land

14. 8. - Im heiligen Land
Abends in Helgeland

Nach einem sehr leckeren Frühstück und langen Gesprächen mit der Inhaberin und zwei anderen Gästen, einem Pärchen aus Tromso, das uns viel über Seakayaking erzählt, machen wir uns auf: nordwärts, auf der Flucht vor dem nächsten Tiefdruckgebiet. Wie es aussieht, müssen wir dafür mindestens bis nach Mosjoen kommen. Der Weg führt uns an der E6 erst durch bewirtschaftete Ebenen, dann durch endlosen Wald und tiefe Flusstäler. Alles ist feucht und Nebelschwaden kleben an den Hängen. In Namskogan haben wir den Regen weit genug abgehängt, um einen kleinen Spaziergang am Fluss zu unternehmen, der sich breit in einem felsigen Bett zwischen Nadelbäumen dahinwälzt. Ganz offensichtlich ist die Gegend bei Anglern hochgeschätzt, es gibt jede Menge Unterstände und Feuerplätze. Als wir zum Auto zurückkehren, regnet es bereits wieder und tatsächlich sehen wir die versprochene Wetterverbesserung erst knapp vor Mosjoen, wo tatsächlich die Sonne durch die Wolken blitzt.

Dort machen wir eine kleine Pause und ausnahmsweise sucht Heiko uns diesmal einen Schlafplatz, denn in dieser Gegend kennt sich keiner von uns aus. Er wählt den Reinesaksla, einen langgezogenen Bergrücken direkt am Meer, gegenüber von Sandnessjoen, in Helgeland - dem “Heiligen Land”. Wir fahren in einen langen Tunnel und tauchen am anderen Ende in der strahlen Spätnachmittagssonne wieder auf. Die letzten Kilometer an der Küste entlang bis zu unserem Einstieg sind die reine Kitschpostkarte: ein wilder, blauer Fluss, vereinzelte Holzhäuschen, das blitzblaue Meer bricht sich an der felsigen Küste und an den Hängen wogen die saftig grünen Birken im Wind.

Der Aufstieg führt zuerst ganz gemächlich durch Wiesen und vorbei an Himbeersträuchern, dann durch den Wald aufwärts und durch ein kurzes Geröllstück auf den Sattel. Diesem folgen wir dann noch ein gutes Stück nach Westen, bis wir dort einen perfekten Zeltplatz mit freier Sicht auf das Meer, die vorgelagerten Inseln und den Sonnenuntergang finden.

Es weht ganz schön, aber da der Wind freundlicherweise aus Süden kommt, können wir das Zelt Richtung Westen hinstellen und, im Eingang sitzend, die Abendsonne genießen. Vom Gipfel aus haben wir Weitblick nach drei Seiten und verrückterweise riecht es intensiv nach Meer. Die Berghänge ringsum zeigen sich nackt und voll verkarsteter Granitplatten, Richtung Osten geben die dort noch hängenden Regenwolken einen dramatischen Hintergrund ab. Es ist kühl, aber mit warmen Sachen und der Pyjamahose unter die Wanderhose gezogen ist es gerade warm genug. 

Ich schaffe es noch, mit einem spitzen Stein ein Loch in eins der Sitzkissen zu fabrizieren, was ich an Ort und Stelle flicken kann: In einer der zahlreichen flachen Pfützen und Tümpelchen kann ich das Kissen untertauchen, um das Leck zu finden und nachdem das Gewebe wieder getrocknet ist, kommt erstmalig das Reparaturmaterial zum Einsatz, das bei den Isomatten dabei war. Ein knetmasseartiger Brocken durchsichtiges Material auf das Loch, danach ein großzügiger Flicken darüber - 2025, als ich diesen Reisebericht schreibe, hält der Flicken jedenfalls immer noch.

Im Meer unter uns herrscht reger Verkehr und wir schauen den Fähren von und nach Sandnessjoen und den weiteren zahlreich vertretenen privaten Booten zu, während es langsam dunkel wird, die Lichter angehen und die weit draußen liegenden Inseln plastisch gegen den dunkelroten Horizont hervortreten.