17. 8. - Am Svartisen
Morgens ist es bedeckt, aber mit deutlich besserer Fernsicht als gestern und so genießen wir beim Zähneputzen das Panorama. Als wir nach dem gemütlichen Abstieg, belohnt von Himbeeren, beim Auto ankommen, stelle ich fest, dass wir, wenn wir schnell sind, die nächste Fähre von Björn nach Sandnessjoen noch bekommen und so ziehen wir uns in aller Eile um und machen uns bei spektakulären Aussichten auf den Weg. Mit reichlich zeitlichem Puffer kommen wir am Fährhafen an, wo sich neben Touristen noch eine oder mehrere Schulklassen tummeln.




Morgens auf Dønna
Während der Überfahrt können wir unsere Schlafplätze der letzten Tage sehen und es ist ein schönes Gefühl, dieses Stück mehr nun praktisch umrundet zu haben. Da wir heute noch ein paar Sonnenstrahlen sehen wollen, verlassen wir die Helgelandsküste heute und fahren in Richtung Mo i Rana. Hinter Sandnessjoen wollen wir schon in den Tunnel abbiegen, sehen dann aber einen Wegweiser auf eine touristische Nebenstrecke und entschließen uns zu dieser - was wir nicht bereuen, die Route ist wirklich toll. Sie führt uns an der Küste entlang, über eine weitere Fährverbindung nach Nesna und dann am Fjord entlang bis nach Mo i Rana.




Zwischen Sandnessjøen und Mo i Rana
Die Straße führt hoch am Hang entlang und wir haben einen Blick auf die hohen, vergletscherten Berge des Svartisen Nationalparks auf der anderen Seite - kalt und uneinnehmbar sehen sie aus. Aber das Wetter wird immer schöner. Hinter Mo i Rana fahren wir im strahlenden Sonnenschein endlos den Langvatnet entlang, einen türkisblauen See, der von den Abflüssen des Svartisen-Gletschers gespeist wird. Das eisblaue Wasser, die Nadelwälder links und rechts und die schneebedeckten Berge im Hintergrund, all das lässt mich an Kanada denken. Das Geröll und die Felsen am Ufer sind kalkweiß von den Mineralien, die das Gletscherwasser mit sich führt.


Am Langvatnet
Hinter dem See führt uns eine Schotterstraße an einigen Bauernhöfen vorbei in den Wald und endet an einem Parkplatz in Fisktjonna. Von dort aus machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum “Marmorschloss”: Der Gletscherfluss Glomaga bahnt sich seinen Weg durch eine Marmorader und hat dabei natürliche Skulpturen geschaffen. Der Weg führt erst idyllisch durch den Wald und ein entgegenkommendes Paar warnt uns, dass das letzte Stück steil sei und wir vorsichtig sein sollen. “Sie hatte schon so ein säuerliches Gesicht dabei”, meint Heiko, und als wir an der Stelle ankommen, bin ich es, die sein säuerliches Gesicht macht: der Abstieg ist in der Tat steil, das Erdreich zum Teil schon wegerodiert, hin und wieder hängen ein paar Seile in der Landschaft. So kann ich mich zunächst nicht entschließen und schicke Heiko alleine vor. Erst ein paar Minuten später, als er schon längst um eine Kurve verschwunden ist, wird es mir zu blöd und ich arbeite mich leise schimpfend den Abhang hinunter. Am Ufer geht es dann noch über ein paar Blöcke und dann stehe ich mitten in der wilden Marmorlandschaft. Der Fluss donnert und die Sonne glitzert auf dem Gestein. Selbst die flachen Marmorblöcke sind vom Wasser geformt und von tausenden kleiner Dellen überzogen; da wir die Schuhe ausziehen, um den Abrieb auf dem Gestein zu reduzieren, spüren wir sie ganz genau unter den nackten Füßen.









Am Marmorslottet
Wir bleiben eine Weile dort am Fluss, genießen die Formen und Farben von Gestein und tobendem Gletscherwasser und gehen erst zurück, als eine größere Gruppe eintrifft.

Hier gefällt es uns gut und wir wollen gern die Nacht in der Gegend verbringen. Einen guten Zeltplatz finden wir an der Straße zum Melfjord, die erst eine Hochebene überquert, um sich dann steil an Wasserfällen vorbei zu Tal zu schlängeln - und unverhofft stehen wir plötzlich wieder am Meer.

Auf der Hochebene, zwischen den schroffen Bergen südlich und dem Svartisengletscher nördlich, finden wir problemlos einen schönen Zeltplatz zwischen blühender Heide und Tümpeln. Mit mehr als ein bisschen Wehmut genießen wir unseren letzten Tag, denn auch wenn es heute noch nicht danach aussieht, über Nacht wird uns ein sehr fruchtbares und ausgedehntes Tiefdruckgebiet erreichen, dem wir nicht mehr davonfahren können und da wir im Dauerregen weder wandern noch zelten mögen, werden wir morgen früh, hoffentlich noch vor dem ersten Guss, die Rückfahrt antreten. Es gibt Chili sin Carne und als es, spät aber doch, dämmrig wird, legen wir uns schlafen.







Auf dem Melfjellet