18. 8. - Vom blauen Eis nach Bergen
Wie gewohnt wache ich früh auf; der Himmel ist klar, von Regenwolken keine Spur mehr und die Sonne kriecht langsam über die Hänge. Aufgrund des Hubbels mag ich auch nicht mehr lange im Zelt liegen und so brechen wir nach Kaffee und Porridge auf zum Svelgabreen. Das Zelt haben wir innen bereits aufgeräumt, beide Rucksäcke liegen gepackt darin, so dass wir nach der Rückkehr nur noch das Zelt abbauen müssen.
Der Pfad zum Gletscher ist zwar markiert, aber wenig begangen und schlängelt sich zunächst einen steilen Wiesenhang zum Midbotnevatnet hinunter, wo wir über reichlich Geröll staksend einen unsichtbaren Bach kreuzen; hier im Tal haben sich sogar ein paar Weiden ansiedeln können. Der weitere Weg führt über nackten Fels, teilweise mit Ketten gesichert, hin zu dem eisblauen und reißenden Fluss. Alles leuchtet in der Morgensonne und es ist laut; wie laut, merken wir erst auf dem Rückweg, als wir uns wieder von ihm entfernen. Wir wandern durch ein bei aller Felsigkeit liebliches Tal, kleine Wasserläufe kreuzen den Weg, hin und wieder bimmelt hoch am Hang eine Schafsglocke; auf der anderen Seite des Flusses glitzert die weitgefächerte Spur eines Wasserfalls auf dem Fels. Die Sonne glüht, aber zu trinken haben wir reichlich; nur Essen haben wir keines mitgenommen.



Unterwegs zum Svelgabreen
Wie erwartet kommen wir langsam voran und ebenfalls wie erwartet ist es sommerlich warm, jedenfalls bis wir freie Sicht auf das Eis haben und uns ein Wind direkt aus dem Kühlschrank entgegenkommt. Von einer Anhöhe sehen wir die Hängebrücke, die uns von der Moräne trennt und die ich mit klopfendem Herzen überquere.



Am Selgabreen kommen wir näher an das Eis heran als je zuvor; auch wenn wir durch Wassergräben daran gehindert werden, es zu berühren, stehen wir wenige Meter vor der leuchtend blauen Eiswand und hören das Eis knacken und arbeiten. Wir kraxeln noch einige Zeit in den Felsen vor der Gletscherzunge herum und ich finde dort ein faltbares Sitzkissen der Lokalzeitung "Kvinnheringen", das ich noch fünf Jahre später besitze.


Der Rückweg zieht sich hin; kaum sind wir über die erste Anhöhe, brennt die Sonne wieder und die hundert Höhenmeter auf den Hügel, auf dem das Zelt steht, sind zäh, so dass Heiko mir bescheidet, ich möge "mich unter den Stein setzen und einen Apfel essen", während er das Zelt abbaut. Mittlerweile hat sich der Himmel zugezogen und es fallen sogar ein paar Tropfen, was mich erneut in Besorgnis versetzt, dass der Untergrund glatt und rutschig werden könnte, aber dafür ist es nicht genug Regen. So schlängeln wir uns zurück über die kleine Staumauer und die kleine ausgesetzte Stelle am Mosevatnet zurück zum Auto, wobei auf den letzten Metern die Füße schon ordentlich schmerzen.
Mittlerweile ist es später Nachmittag, wir sind ziemlich erledigt und das Wetter sieht auch nur so lala aus, so dass wir uns zu einer Hotelübernachtung entschließen - nach Bergen ist es nicht allzu weit, also buchen wir uns ein schönes Hotel mitten im Zentrum - das Bergen Børs - und machen uns, immer am Fjord entlang, auf dem Weg. Das Wetter hält, es ist mild und wir kommen an badenden Menschen vorüber.
Abends in Bergen machen wir noch eine ausgedehnte Hafenrunde, abgeschlossen mit Elchburger und Softeis, und fallen dann in die Betten. Das Hotel hat außerdem toll duftendes Duschgel von Fitjar Islands, von der wir etwas mitnehmen und die wir in den Jahren darauf noch einige Male nachbestellen werden.


In Bergen