25. 8. - Ein Lagerfeuer zum Abschied
Die Nacht wird richtig kalt und es weht immer noch ein frischer Westwind, als wir aufwachen; dafür ist es ziemlich sonnig. Wir entscheiden uns, nach der Morgentoilette direkt aufzubrechen und irgendwo auf dem Weg nach unten eine Frühstückspause einzulegen, wenn wir im Windschatten sind. Meine Hände schmerzen trotz Handstulpen, als das Zelt endlich verpackt ist und wir uns über das Geröllfeld hinweg in Richtung Gipfel und Pfad in Bewegung setzen, aber schon wenige Meter unterhalb ist der Wind weniger, die Sonne wärmt und die Heide, durch die sich der Pfad schlängelt, leuchtet in schon sehr herbstlichen Farben, im Hintergrund der schmale, langgezogene Engerensee. Auch beim Abstieg finde ich wieder Moltebeeren! Mittlerweile bin ich mir sicher, dass mich der Geschmack nicht übermäßig begeistert, aber interessant sind sie allemal.





Morgens auf dem Tverrfjell
Hier ganz in der Nähe, irgendwo auf dem Fjäll auf der anderen Talseite, steht übrigens der älteste Baum Europas: Old Tjikko, eine fast 10.000 Jahre alte Fichte, die optisch den vereinzelten, spindeligen Bäumchen auf unserer Seite zum Verwechseln ähnlich sieht und tatsächlich wird alles, was sich oberirdisch abspielt, sehr viel jünger sein, der Wurzelstock allerdings blieb derselbe und trieb immer wieder neu aus.
Eigentlich wollten wir heute nach Jotunheimen fahren, aber angesichts dessen, dass der Urlaub sich dem Ende zuneigt, ist es uns zu weit und wir beschließen, am nächsten Tag die Fähre von Oslo nach Kiel zu nehmen und uns für heute Nacht irgendwo in nicht allzu großer Entfernung von Oslo ein Nachtlager zu suchen.

Auch so verbringen wir einen Großteil des Tages mit Fahren: erst Richtung Oslo, dann Richtung Honefoss folgen wir sehr leeren Straßen durch sehr waldreiche und menschenleere Gegenden. Honefoss ist die erste größere Siedlung seit langem und hat einen Wasserfall zu bieten, der mitten durch den Ort rauscht - und in dem ein Springbrunnen sprudelt. Wie ich später nachlese, hat der Springbrunnen die Form einer Sägemühle als Erinnerung an die forstwirtschaftliche Geschichte der Gegend.
Hinter Honefoss fahren wir durch einige Tunnel und kommen im Hallingdal heraus, das wir uns zwischen stets enger zusammenrückenden Felswänden mit der Bergenbahn teilen. Es ist ein schöner Sommernachmittag und das Licht wird schon abendlich, als wir auf einer Brücke, die sich das Navi hartnäckig anzuerkennen weigert, den Fluss überqueren und auf einer Mautstraße zu der Hüttensiedlung auf dem Blafjell hochfahren. Dort parken wir das Auto am Straßenrand, folgen einem sehr hübschen Fußpfad auf ein der Erhebungen und schlagen dort unser Lager auf. Die Gegend eignet sich für ein Lagerfeuer und wir verbringen den restlichen Abend damit, Holz und Heidelbeeren zu sammeln und am Feuer Marshmallows zu rösten, die wir dann in den Becher mit den Beeren stippen - das Süßsaure schmeckt großartig zusammen. Was für ein schöner letzter Abend!





Nachtlager über der Hüttensiedlung
Als die Sonne sinkt, wird es kalt und mein Hintern ist durch das Draußensitzen geradezu tiefgefroren, so dass es eine Weile dauert, bis ich im Schlafsack wieder warm werde.