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9. 8. - Ein schnelles Schiff und eine lange Fahrt

9. 8. - Ein schnelles Schiff und eine lange Fahrt

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um fünf Uhr; alles ist schon gepackt und von unseren Schwiegereltern sind wir mit reichlich leckeren Sachen versorgt, als wir uns mit Brötchen und Kaffee bewaffnet in der strahlenden Morgensonne auf den Weg Richtung Sassnitz machen. Traditionell warten wir am Fährhafen noch die längste Zeit auf das boarding, um uns dann einen Platz auf dem Außendeck zu sichern und zu beobachten, wie die letzten Wohnmobile rückwärts auf das Fahrzeugdeck rangieren müssen, was mal mehr, mal weniger routiniert abläuft.

Vor allem der erste Teil der Fahrt zeigt tolle Ausblicke auf die Rügener Kreideküste, die mich an unsere erste Fährüberfahrt vor 5 Jahren erinnern. Damals sind wir zum ersten Mal zum Zelten nach Schweden gefahren, es war ein schöner Septemberabend und die Küste leuchtete genauso wie heute.

Diese Fähre ist allerdings dank Katamaranantrieb bedeutend schneller und kaum sind wir ein Stück von der Küste entfernt, haben wir auch einiges an Seegang, was großen Spaß macht.

In Ystad schert sich kein Mensch um irgendwelche Coronakontrollen und bevor wir uns versehen, sind wir schon heraus aus der kleinen Stadt und auf der langen Küstenstraße nach Nordwesten unterwegs. Die Landschaft und die Häuser werden sehr langsam rauher und "schwedischer", es gibt immer mehr Felsblöcke und karge Steinhügel, aber auch viel Landwirtschaft, riesige Kornfelder und endlosen Wald.

Auf der Svinesundbrücke, die im übrigen unangenehm im Wind vibriert, laufen wir auf das Stauende des Grenzübergangs auf. Die Aussicht ist phänomenal: Die Hänge des Sunds fallen steil ab, sind teilweise bewaldet, vereinzelt stehen Holzhäuschen, an der Uferlinie Stege mit Booten. Dafür lohnt sich die Warterei schon, wann sonst hat man mal so viel Zeit für einen solchen Ausblick..?

Google Maps hatte nicht untertrieben, wir warten tatsächlich fast eine Stunde am Grenzübergang und ich werde zusehends nervöser. Ob Heiko einen Test machen muss? Er ist ja erst letzte Woche geimpft worden. Sehr vereinzelt kommen uns Fahrzeuge entgegen und wir schauen uns jedes genau an: Sind es Deutsche? Sehen sie unglücklich aus?

Als wir schließlich das Grenzerhäuschen passieren, steht da ein freundlicher junger Mann, der uns durchwinkt und dann sind wir auch schon in Norwegen! Jetzt kann der Urlaub losgehen. Das Adrenalin löst sich langsam und wir kehren erstmal bei der nächsten Tankstelle auf einen Hot Dog ein. Dann steuern wir den angedachten Zeltplatz an, ein hübsches Wäldchen mit mehreren Seen. Der Himmel ist teilweise bewölkt, insgesamt sieht das Wetter aber freundlich aus.

In weiser Voraussicht hatten wir bereits bei Heikos Eltern die Rucksäcke gepackt, inklusive gefüllter Trinkblase, so dass wir sie jetzt nur noch aufsetzen müssen - da stellen wir fest, dass Heikos Schlafsack an einer Stelle nass ist! Der Trinkaufsatz der Wasserblase lag ungünstig und so hat der Schlafsack per Dochtwirkung Wasser gezogen. Während wir uns noch mit diesem internen Wasserproblem beschäftigen, öffnet plötzlich der Himmel alle Schleusen und ein Wolkenbruch geht nieder. Nach ein paar Minuten ist es wieder vorbei, aber alles ist gründlich durchfeuchtet und wir entschließen uns, noch ein Stückchen weiter Richtung Oslo zu fahren, schließlich ist es auch noch hell.

In der Nähe von Lillestrøm biegen wir in ein Wäldchen ab, parken in der Nähe einer Hütte das Auto im Wald und erkunden ein wenig die Gegend; wir finden einen schönen Waldsee, aber keine attraktiven Zeltplätze und schlagen das Zelt letztlich nicht weit vom Auto im Wald auf. Weil wir vom Hot Dog noch satt sind, brauchen wir kein Abendessen und kriechen direkt in die Schlafsäcke.