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Dienstag, 11. 9. 18 - Cullen, Golspie, Dunrobin Castle, Littleferry

Dienstag, 11. 9. 18 - Cullen, Golspie, Dunrobin Castle, Littleferry
Cullen

Als ich aus dem Zelt luge, wechseln sich dunkle Wolken und lichtes Blau am Himmel ab und am Horizont gleißen die Sonnenflecken auf den Wellen. Der Ausflug zum Wasser für eine Katzenwäsche wird eine längere Wanderung, denn wie immer am Morgen und Abend herrscht Ebbe - Heiko ist später klüger und sucht sich einen der näher gelegenen Sandsteinfelsen, in deren zahlreichen Mulden und Löchern das Wasser stehen bleibt. In diesen winzigen Aquarien sehen wir Seepocken, Schnecken und sogar kleine Seeigel der nächsten Flut harren und die Mischung aus frischem Wind und salzigem Nordseewasser im Gesicht vertreiben die Müdigkeit zuverlässig und trocknen den letzten Rest Feuchtigkeit am Hosensaum.

Leider gibt es auch an diesem Morgen kein Frühstück im Zelt, denn über der Klippe dräut es, so dass wir uns wieder erfolgreich beeilen, das Zelt halbwegs im Trockenen zu verpacken. Als wir über die Klippe zurück zum Auto stapfen, passieren wir zwei Wohnmobile, die hier ebenfalls die Nacht verbracht haben - ein Schweizer und ein Deutscher -, aber bis zu unserem Privatstrand ist niemand vorgedrungen.

Kaum sind wir im Auto, geht der Regen auch schon los, so dass wir auch diesmal ohne einen heißen Tee starten. Da das Wetter im Norden heute besser sein soll, heißt es zurück nach Inverness und unterwegs sollte uns auch etwas zum Frühstücken begegnen.

Bisher war allerdings alles geschlossen, als wir wieder in Cullen ankommen und Heiko spontan auf den Parkplatz eines Hotels abbiegt, das in traumhafter Lage über dem Strand thront. Eine Nachfrage bei der Rezeption ergibt, dass wir ein Frühstück erwerben können und bei schlagartig aufklarendem Himmel tafeln wir Scottish Breakfast und Räucherlachs mit Rührei sowie Toast. Wir schauen auf das blitzblaue Meer, die tauchenden Möwen und den kleinen Ort, der hingeschmiegt zwischen den Klippen liegt, und schmieden Pläne, ein Familientreffen in Schottland zu veranstalten - auch wenn wir dann wohl nicht im Zelt logieren werden.

Auf Empfehlung der Angestellten machen wir uns auf einen kleinen Rundweg um die Bucht. Auf einem Radweg überqueren wir zwei Viadukte, besteigen einen kleinen Hügel mit beträchtlichem Rundblick, um danach zwischen den Natursteinhäuschen zum Strand abzusteigen. Der Sand ist kühl und weich an den nackten Füßen und der Wind treibt uns immer wieder scharfe, kleine Sandböen gegen die Beine.

Eigentlich war ein weiterer Vorstoß Richtung Berge geplant, aber die Regenzone beginnt bereits kurz hinter Inverness, so dass wir uns statt dessen im strahlenden Sonnenschein an die Sundbrücke Richtung Golspie halten, wo die Landschaft hügeliger wird und zum ersten Mal das bald vertraute Monument des Duke of Sutherland in Sicht kommt. Nach einigem Erkunden ist auch schnell ein guter Zeltplatz in den Dünen bei Littleferry gefunden, Eis essend schlendern wir durch Golspie, wo die Gartenmauern seeseitig durch Fluttore gesichert sind, und stoßen zufällig ein Stück weiter nördlich auf das beeindruckende Dunrobin Castle, dessen Park sich im abendlich werdenden Licht ausbreitet. Für die letzte Greifvogelschau sind wir zu spät, aber wir bestaunen die gepflegten Rabatten, den Obst- und Gemüsegarten und den Riesenrhabarber, unter dessen Schirmen ich stehend Platz finde. Vereinzelte dunkle Wolken ziehen über den Himmel und bescheren uns einen hübschen Regenbogen über dem Schlossgarten. 

Auf dem Rückweg kehren wir auf einen Kaffee im Golspie Inn ein, der aber von sehr fragwürdiger Qualität ist. Die Fähre in Littleferry, wo wir die Nacht verbringen, ist schon lange außer Betrieb und es ist ohnehin Ebbe, als wir im Abendlicht - und im Laufschritt ob der nahenden Regenwolke - durch die Dünen eilen und einen ebenen Platz ausfindig machen. Kurz bevor der Aufbau fertig ist, geht unbeeindruckt von der immer noch strahlenden Sonne ein heftiger Schauer nieder und ich stecke immer wieder kurz den Kopf hinaus, um den strahlenden Regenbogen über der kobaltblauen Nordsee zu bestaunen.

Zelten im Sand ist nicht mein Favorit, hat aber den Vorteil, dass man sich den Untergrund gut zurechtdrücken kann und dank großer Sorgfalt halten wir den Sandanteil im Zelt halbwegs im Rahmen. Als ich abends hinauskrabble, um die Zahnpasta auszuspucken, stehe ich unverhofft unter einem gigantischen Sternenhimmel von bisher ungesehener Klarheit, mehr ergänzt als gestört von den beiden Leuchttürmen, die am Horizont zu sehen sind. Es ist eiskalt, aber wir stehen beide eine Weile da und blicken in den Himmel.

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SoundRecord 2018 09 11 20 36 45
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