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Dienstag, 19. 9. - Skaftafell, Kirkjubaerklaustur, Hochlandstraße, Holarskjol/Silfurfoss

Dienstag, 19. 9. - Skaftafell, Kirkjubaerklaustur, Hochlandstraße, Holarskjol/Silfurfoss

Am nächsten Morgen sieht der Platz aus wie ein Schlachtfeld, immerhin hat aber der Regen etwas nachgelassen. Am Besucherzentrum des nahegelegenen Skaftafell Nationalparks versuche ich es ein letztes Mal bei Air Berlin, dann machen wir uns bei nur leichtem Regen auf den Rundweg “Sjonarnipa”. Den Hang hinauf überqueren wir krautbewachsene Heidelandschaft bis an die Gletscherzunge, um dann in Serpentinen wieder zum Parkplatz abzusteigen, während uns Dutzende von Zaunkönigen über den Weg flattern. Der Weg ist sehr gut ausgebaut und gepflegt und das Gehen tut meiner Stimmung gut, dennoch ist keiner von uns von Skaftafell bisher übermäßig beeindruckt. Die eher verborgenen Winkel, von denen wir das Gefühl hatten, sie selbst entdecken zu können, hatten, wenn sie auch oft etwas bescheidener dimensioniert waren, wesentlich mehr Magie als die groß aufgemachten Sehenswürdigkeiten; gleichzeitig waren Menschenmassen dem Erleben sehr abträglich. 

Als wir uns auf der Ringstraße weiter nach Osten wenden, hat das Wetter aufgeklart und ich bin mit unseren restlichen Tagen in Island versöhnt - wir nehmen, was kommt. Über Sandflächen und an spitzen Bergen vorbei erreichen wir Kirkjubaerklaustur und das monumentale Lavafeld, von dem wir später erfahren werden, dass es bis zu 12 Meter dick ist. Hinter dem Ort wenden wir uns auf der F208 Richtung Fjallabak, Ziel: Landmannalaugur, einer der letzten großen Punkte auf dieser Reise. Die verlassen liegene Straße führt meilenweit über hügeliges Grasland, hin und wieder kommen von fern Gletscher in Sicht, bis wir zum zweiten Mal unvermittelt auf eine Berghütte stoßen: Holaskjol. Wieder ist sie verlassen, diesmal allerdings auch verrammelt, aber das Toilettenhäuschen und die Spülküche sind zugänglich und die Zeltwiese liegt sehr idyllisch mitten an einer Schlucht neben der reißenden Sydri-Ofaera. Schon von fern ist uns so etwas wie eine Dampfsäule aufgefallen - soll es hier etwa heiße Quellen geben?

Schnell ist beschlossen, dass wir hier die Nacht verbringen wollen und da es weiterhin trocken ist, stellen wir direkt das Zelt auf, damit es auslüften kann, und machen uns auf einen Spaziergang in die idyllische Umgebung. Ein Pfad führt direkt vom Haus in das Lavafeld, windet sich den Hügel hinauf, bis wir es rauschen hören und mit einemal vor einem ziemlich großen Wasserfall stehen!

Wir bleiben eine Weile, genießen den Anblick und die totale Einsamkeit und folgen dann dem Pfad durchs Lavafeld ein Stück weiter dem Fluss entlang. Die Heidelbeersträucher, die hier und dort aus dem strahlendgrünen Moos sprießen, haben bereits rote und gelbe Herbstfärbung angenommen, zusammen mit dem schwarz ausgetretenen Weg und den dunklen Gesteinsbrocken macht das auch bei bewölktem Himmel eine sehr bunte Landschaft.

Zurück am Zelt ist es auch schon Zeit für Abendessen und Serie. Wir hoffen, der Wetterbericht, der für die Nacht wieder starken Regen vorhersagt, möge sich irren, aber nichts: Schon in der Nacht höre ich das Prasseln von Tropfen auf dem Zelt.

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SoundRecord 2017 09 21 10 22 27
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