Donnerstag ,14. 9. - Hellisheidi, Fallwinde, Egilsstadir, Hengifoss, Laugafell, Karahnjukar-Stausee
Als wir unseren Porridge in ungewohntem Komfort am Picknicktisch verzehren, hat der Wind nachgelassen, auch wenn der Himmel weiterhin bedeckt ist und der Hellisheidi-Pass versteckt sich im Nebel. Auf der Straße den Hang hinauf öffnet sich der Blick ins Tal, bis wir endgültig in die Wolken eintauchen und auf der anderen Seite des Passes von Sturmböen empfangen werden, die derart am Auto rütteln, dass ich H., der erstmal an einer der Parkbuchten halten will, bitte, nicht aus dem Auto zu steigen. Der Ausblick ist unwirklich und kaum zuzordnen: Nebel und dahinter etwas Gleißendes, es sieht aus wie ein wahnwitzig langer Strand und wie sich herausstellt, entspricht das auch den Tatsachen und hinter dem Pass scheint die Sonne.
Der Sturm ist dennoch nicht von schlechten Eltern, flaut allerdings ab, sobald wir uns vom Berg entfernen. Es ist für den Tag nicht die letzte Begegnung mit isländischen Fallwinden.
Auf der 917 kurven wir gemütlich durch sehr einsame Landschaft Richtung Egilsstadir, um kurz vor dem Ort wieder auf die Ringstraße zu treffen. Das Örtchen selbst ist, wie im Reiseführer beschrieben und wie im übrigen die meisten isländischen Käffer, eher reizlos, aber es gibt einen großen Bonus-Supermarkt, wo wir uns mit frischem Obst, Skyr, Haferflocken und yum yum eindecken, bevor wir uns auf der Westseite des Wegs Richtung Hengifoss, einen der spektakulärsten Wasserfälle Islands, aufmachen. Ich allerdings werde Island verlassen, ohne ihn gesehen zu haben, dann mit den Böen ist mir das einfach zu unheimlich und ich kehre am Litlanesfoss wieder um. H. allerdings geht bis ganz nach oben und füllt unsere Wasserflasche am Hengifoss auf.

Auch heute käme ein warmes Bad ganz gelegen und im Hochland soll es Rentiere geben, also machen wir einen Abstecher die 910 hoch nach Laugarfell. Das gar nicht kleine Hotel liegt idyllisch in einem Tal und von den hot pots aus sind mehrere Wasserfälle zu sehen, wovon ich mich überzeugen kann, nachdem ich nur nach einem verbissenen Kampf gegen den eiskalten Wind die Tür des Umkleideraums überhaupt öffnen konnte. Der Wechsel aus heißem Wasser und eiskaltem Sturm tut meinem Kreislauf allerdings nicht besonders gut und nach der abschließenden Dusche muss ich mich erstmal kurz hinsetzen.
Auf der Rückfahrt zum Lagarfljot verpassen wir den richtigen Abzweig und landen am Karahnjukar-Damm, einem ehrgeizigen und hoch umstrittenen Projekt, das Wasserkraft für eins von Islands Aluminiumwerken gewinnt - sehr zum Schaden der Hochlandlandschaft, des Gletscherflusses und des Lagarfljot, der von ihm gepeist wird. Dennoch ist die Fahrt über den Damm ein faszinierendes Erlebnis.


Auf dem Weg kommt die Sonne heraus und taucht die schon sehr herbstlich gefärbte Hochlandlandschaft in bräunliches Licht; der noch immer vom Wind aufgewühlte, sedimentbraune Lagarfljot sieht von oben wie eine Sandlandschaft aus.
In der Waldlandschaft um den See, die das größte zusammenhängende Waldgebiet Islands darstellt, finden wir nach etwas Suchen ein Plätzchen am steinigen Strand, wo wir den Wellengang bestaunen können - es spritzt und gischtet ganz ordentlich. Die Nordlichtvorhersage ist sehr gut und angeblich soll es auch einen wolkenlosen Himmel geben, aber die Tatsachen wollen sich mal wieder nicht an den Wetterbericht halten und so ziehen wir uns recht bald ins Zelt zurück, ohne dem Himmel weitere Aufmerksamkeit zu schenken.
