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Freitag, 15. 9. - Ostfjorde, Holmaborg-Halbinsel, Calcit-Steinbruch, Vödlavik

Freitag, 15. 9. - Ostfjorde, Holmaborg-Halbinsel, Calcit-Steinbruch, Vödlavik

Am nächsten Morgen ist der See ganz glatt und der Wind für isländische Verhältnisse verschwunden, auch das im übrigen entgegen des Wetterberichts. Auf den Bergen liegt frischer Schnee und an diesem bewölkten Morgen scheint die Landschaft als ganzes unmerklich über Nacht einen kleinen Schritt von grün zu gelb, hin zu den Farben des Winters, angenommen zu haben. Nach einem Tankstop in Egilsstadir ist heute einer der Ostfjorde dran, wegen des Calcitsteinbruchs entscheiden wir uns für den Reydarfjördur. Auf dem Weg zum ersten Stop, der Halbinsel Holmanes, können wir so auch gleich im Vorbeifahren eins der Aluminiumwerke besichtigen - der Landschaft ist es nicht sonderlich zuträglich, den Anwohnern hoffentlich umso mehr.

Holmanes ist ein Naturschutzgebiet mit mehreren Pfaden, deren erster uns direkt islandtypisch auflaufen lässt, indem er einfach irgendwo an der Steilwand aufhört und uns schimpfend (ich) und grinsend (H.) zurückkraxeln lässt. Der Fjord ist spiegelglatt und im Wasser treiben riesige Löwenmähnenquallen. Eskifjördur liegt malerisch direkt am Wasser, vor allem eine rot-weiße Ferienhaussiedlung macht sich vor den Bergwänden sehr malerisch.

Als wir beim Calcitsteinbruch ankommen, haben die Wolken sich zerstreut, der Fjord schimmert azurblau, die Wiesen strahlen grün und das Weiß auf den Bergspitzen beginnt sich wieder zu verflüchtigen. Schon auf dem Weg den Hang hinauf sieht man von weitem die Calcitbrocken und -bröckchen glitzern und obwohl man eigentlich nichts mitnehmen darf, kann ich nicht widerstehen. Es ist toll, das Mineral, das mich wegen seiner Doppelbrechung schon als Kind fasziniert hat, auf diese Weise zu erleben.

Wir sitzen eine Weile im Gras und blicken über den Fjord, während wir beschließen, heute nicht mehr groß Strecke zu machen, sondern ein Stückchen weiter der Straße in ein verschwiegenes Seitental zu folgen und dort, vielleicht am Strand, das schöne Wetter zu genießen.

Das Untefangen ist größer als zunächst angenomen, denn der 4x4 track nach Vödlavik geht wie so oft sehr harmlos los, wird aber spätestens nach der Passquerung zum echten Himmelfahrtskommando mit Schlaglöchern und einer Flussquerung, die ich auf der Karte nicht gesehen hatte - zum Glück ist das Flüsschen ein bescheidenes und das Bachbett purer Fels, so dass wir die Querung wagen und unbeschadet überstehen. Meine Nerven flattern dennoch, nicht zuletzt, weil der Fluss direkt rechts der Furt zum Wasserfall wird und mehrere Meter in die Tiefe entschwindet.

Die Fahrt ins Tal dauert also ihre Zeit und ich als Beifahrer kann ausführlich die Landschaft und den Ausblick auf einen breiten, schwarzen Strand genießen, wo wir am Ende auch unsere Chocopops einnehmen. Eins der wenigen Häuser im Tal ist doch tatsächlich eine mountaineering hut, ein ziemlich großer Kasten mit großer Küche und unten, ausgedehnter Schlafsackliegefläche unter dem Dach, solarbetriebenem Funkgerät und Außenklo. Das Tal ist bis auf drei Sommerhäuser unbewohnt, der Seegang anscheinend tückisch, eine Plakette erinnert an eine Rettungsaktion in den 90er Jahren. 

Da wir im Tal allein sind - und bis auf einen kurz vorbeibretternden Anwohner auch bleiben -, beschließen wir, die Hütte für uns zu requirieren. Das Wetter wird grauer und kühler, H. ist nicht ganz fit und fröstelt und so nehmen wir die Schlafsäcke mit ins Obergeschoss, bauen ein Matratzenlager und verbringen dort mit Tee und Kindle den Spätnachmittag. Zum Abend hin bauen wir das Zelt auf der Wiese vor dem Haus auf; schon allein, weil man für das Schlafen in der Hütte 75,- hinblättern soll.

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