Freitag, 31. 5. - Stadtbummel, Dunkeld, Hermitage, Falls of Bruar, Speyside, Cullen
Es ist schon nach eins, als meine Zimmertür aufgeht - Rosa musste erst noch ein Abenteuer bestehen, da das Zimmer, dessen Schlüssel ihr ausgehändigt worden war, schon belegt war. Am Ende hat aber jeder, der es bestellt hat, sein eigenes Bett und eine gute, wenn auch kurze Nachtruhe. Wir sind um acht Uhr verabredet, kurz davor erreicht mich eine Telegram-Nachricht Rosas, sie würde vor unserem Zimmer stehen, was sich bei Überprüfung als Fehlbehauptung herausstellt - das Hotel hat viele verwinkelte Flure. Es gelingt mir dann aber doch, sie zu finden und da das Frühstücksbuffet im Hotel nicht so toll aussieht und außerdem teuer ist, entschließen wir uns zu einem Spaziergang in die Innenstadt, schließlich haben wir ohnehin noch ein bisschen Zeit, bis wir Bärbel vom Flughafen abholen müssen. Auf dem Weg klären wir noch an der Rezeption die Zahlung für die beiden Zimmer, wurde Heiko doch abends noch für das bereits bezahlte Einzelzimmer Rosas nochmals Geld abgeknöpft. Es gibt ein bisschen Hängen und Würgen, am Ende geht aber alles klar.
Als bereits “Ortskundige” zeige ich beiden meine Entdeckungen, die hübschen alten Häuser am Leith und die düsteren Stadthäuser der New Town. Es ist trocken, aber grau und als wir auf die Princes Street zukommen, hinter der man den Burgfels aufragen sieht, ist dieser gänzlich im Nebel verschwunden.



Im Huxley’s teilen wir uns zu dritt ein schottisches Frühstück und einen Scone; danach hat sich auch die Burg aus dem Nebel geschält und es sind auch nicht mehr alle Zugänge abgesperrt, so dass wir gemütlich den Burgberg ersteigen und ein paar Blicke in die Old Town werfen. Ein im Kilt gewandeter Sänger sorgt für Atmosphäre.
Auf einer langgezogenen Treppe steigen wir nördlich der Burg wieder ab und gelangen durch die Princes Street Gardens, in denen gerade weiträumige Erdbewegungen stattfinden, zurück zur Princes Street. Ein Dudelsackspieler pfeift auf der Brücke “Scotland the Brave”.
Zurück im Hotel sammeln wir unsere Habe ein und leisten uns zum Flughafen ein Taxi, was stressfreier ist, als mit alle Mann den Bus zu besteigen. Nebenbei erfahren wir vom Fahrer auch den Grund der Absperrungen um die Burg: Am Vortag wurde jemand an der Castle Terrace erstochen.
Als wir beim Flughafen anlangen, ist es schon ziemlich spät, so dass ich Heiko und Rosa bei der Autovermietung zurücklasse und direkt zum Terminal eile, wo ich wenige Minuten später eine sichtlich erleichterte Bärbel in Empfang nehmen kann. Nach einigem Hin und Her brausen wir im sündteueren Mietwagen gen Norden, einstweilen hat es zu regnen begonnen. Von der Straße aus stelle ich mit einiger Begeisterung fest, dass der Ginster an den Hängen noch blüht; er leuchtet selbst durch den Regenschleier hindurch.
Wie schon letzten Herbst verlassen wir die M9 in Birnam und halten in Dunkeld; das pittoreske Städtchen mit der überraschend großen Kathedrale gefällt den beiden ebenso wie die preisgekrönten und auch diesmal wieder wohlschmeckenden Fish & Chips. An der Hermitage ist der Braan breit und reißend, der Wasserfall laut und beeindruckend - sprungwillige Fische hätten keine Chance. Im dichten Wald ist der Regen kaum zu spüren, alles tropft, ist leuchtend grün, moosüberzogen und verwunschen.


Ein Stückchen weiter machen wir an den Falls of Bruar halt, die H. und ich ebenfalls noch nicht kennen, der Weg führt an eine Schlucht entlang über zwei hübsche geschwungene Steinbrückchen nach oben; der Bach selbst ist eher bescheiden, bei Trockenheit muss er nur ein Rinnsal sein. Das Gelände ist rauh und bergig anmutend, Im Gesträuch blühender Besenginster und zartlila Rhododendren, auf den Lichtungen Teppiche von blaulila Hasenglöckchen - Schottland ist anders im Frühling, bunter, lieblich beinah. Von innen verschwitzt, von außen beregnet langen wir etwas erleichtert wieder beim Auto an; jetzt müssen wir Strecke machen, um noch beizeiten in Cullen bei der Unterkunft anzulangen. Die Route führt uns bei mal mehr, mal weniger Regen über die A9 durch die wolkenverhangenen Cairngorms und dann über die A95 durch liebliche Täler. Immer wieder kreuzen wir den Spey und stoßen auf namhafte Whiskydestillerien am Straßenrand, bis nahezu unverhofft die Küste von Moray vor uns auftaucht.
Im Hotel kommen wir gerade noch vor Schließung der Küche an und beschließen den Abend mit Cullen Skink, Balmoral Chicken, Curry, Burritos und Fish Pie. Es schmeckt, aber ich bin völlig platt und falle nach einer Dusche komplett erledigt ins Bett.
