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Freitag, 6. 7. 19 - Die Fähre, das Schwein und die Mücken

Freitag, 6. 7. 19 - Die Fähre, das Schwein und die Mücken
... irgendwo auf der Ostsee

Wir starten diesmal ziemlich urlaubsreif in unsere Reise. Bei H.s Arbeitsplatz ging in der letzten Woche noch die Welt unter, sodass die Arbeitsbelastung groß war, andererseits alle Reisevorbereitungen an mir hängenblieben, was mich wiederum etwas forderte. Vielleicht lag es daran, vielleicht auch an der diesmal etwas längeren Anreise, dass sich das Reisefieber zunächst ein wenig bitten ließ.

Am Vorabend waren wir von Essen aus zu den Schwiegereltern gefahren, um von dort aus nach einem Kurzbesuch und gut ausgestattet mit allerhand geschenkten Fressalien zur Fähre nach Rostock zu starten. Meck-Pomm verabschiedet uns mit Regen und grauem Himmel, wir kommen gut durch und sind sehr pünktlich am Fährhafen für die obligatorische Langeweile in der Wartespur. Die Fähre ist gut gebucht und das Autodeck proppenvoll, auch die Ruhesessel sämtlichst reserviert (unsere beiden darunter).

Camper tetris

Das langsame Ablegen aus Rostocks geräumigem Hafengebiet, begleitet vom Konzert der Alarmanlagen, schauen wir von Deck an, danach zieht es uns in die Ruhesessel, wo zumindest Heiko unverzüglich einschläft. Ich döse ein wenig, lese und mache, da der Himmel immer weiter aufklart, längere Ausflüge aufs Sonnendeck, wo sich wärmende Sonnenstrahlen und eiskalte Lüftchen einen erbitterten Kampf liefern. Die 6 Stunden Fährfahrt ziehen sich hin, bis wir - dieses Mal ziemlich pünktlich - im Abendlicht in Trelleborg anlegen. Die nächsten drei Stunden über leere Landstraßen bis zum Torsjö, unserem schon vertrauten Zeltplatz, sind beinah schon Routine bis auf ein tollkühnes Wildschwein, das urplötzlich aus dem Straßengraben galoppiert kommt und nur dank eines beherzten Bremsmanövers nicht in den Schweinehimmel aufsteigen muss.

Fasziniert betrachten wir den Himmel gen Norden, den wir dank unserer Fahrtrichtung stets vor Augen haben und der selbst nach Mitternacht einfach nicht dunkel werden will.

Am Torsjö selbst ist es unter den Bäumen dann doch düster und sehr still. Wir finden schnell den alten Platz für das Zelt wieder, das ja nun etwas größer ist als damals, haben es zügig aufgestellt und machen uns an die Inneneinrichtung, als wir feststellen, dass wir den Raum diesmal doch mit durchaus einigen Stechmücken teilen - also zu mit dem Moskitonetz und auf Mückenjagd! Die Anzahl der Mitbewohner ist überschaubar und schnell eingedämmt und kurze Zeit später liegen wir unbehelligt in den Schlafsäcken und schlummern zügig ein.

Ich erinnere mich noch gut an die erste Nacht, die ich vor drei Jahren an diesem See verbracht habe und die Ängste, die ich dabei auszustehen hatte - all die Aufregung der Reise und die Nervosität angesichts des Unbekannten projiziert auf das unschuldige Rascheln von Nagern und das Rieseln von Kiefernnadeln. So geht es mir diesmal nicht, ich bin aber ein-, zweimal wach und beobachte mit Interesse, dass ab drei  Uhr bereits wieder der Morgen dämmert.