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Freitag, 8. 9. - Fjordfahrt, Seehunde, Hörgshlid Hot Pot, Holmavik

Freitag, 8. 9. - Fjordfahrt, Seehunde, Hörgshlid Hot Pot, Holmavik

Ich bin früh auf und nach einem Blick auf den pastellfarbenen Morgenhimmel und die ersten Sonnenstrahlen oben an den westlichen Berghängen hält mich nichts mehr im Zelt. Es ist immer noch eisig und ich packe mich gut ein für einen Spaziergang um Skalavik. Das Tal wirkt winzig und doch sind die Fußwege beträchtlich. Hinter einer Kuppe parkt ein weißer Mietjeep und nun dämmert mir, dass die mysteriöse Stimme in der Nacht wohl Vicky gewesen ist. 

Eine kleine Schafherde tummelt sich am Strand und stiebt auseinander, als ich auf sie zukomme. Langsam wandere ich am Wasser entlang und verfolge das Aufsteigen der Sonne, die bald die ersten Wellenkämme berührt und sie türkis und golden färbt. Ich sammle ein paar der kapitalen Vogelfedern und mache ein audiolog des gestrigen Tages. Als ich mich zur Rückkehr wende, sehe ich, wie H. auf der Kuppe aus dem Zelt krabbelt. 

Den Frühstücksporridge gibt es auf einem Baumstamm am Strand, mit der Sonne im Rücken und Vicky als Tischgenossin, die selbstgepflückte Blaubeeren beisteuert und von den fünf Wochen erzählt, die sie schon durch Island fährt, jeden Tag aufs Neue die Rückgabe des Mietwagens verschiebend. Zusammen brechen wir auf, in Bolungarvik dann trennen sich unsere Wege. In Isafjördur tanken wir nochmal, dann treten wir den gewundenen Weg entlang der kleinen Fjorde an, immer wieder den Gletscher und die unbewohnte Hornstrandir-Region vor Augen, zu deren Besuch unsere Zeit leider diesmal nicht reicht.

In Sudavik halten wir zu einem kurzen Spaziergang an, queren dabei ein Fleckchen, das offensichtlich ein Park werden soll oder sollte: der plötzlich asphaltierte Weg, kleine Rasenflächen, Ziergehölze und ein verziertes Holzbrückchen muten inmitten der rauhen Landschaft sehr eigenartig an.

An einem der Fjorde werden wir durch eine kleine Menschanansammlung auf ein Rudel Seehunde aufmerksam, das sich auf den dank Ebbe freiliegenden Felsen aalt. Es sieht beinah aus, als winkten sie uns zu.

Uns stehen heute noch einige Kilometer bevor, dennoch wollen wir noch einen hot pot einbauen und zwar den bei Hörgshlid, den auch Vicky am Morgen erwähnt hat. Ein kleines, rechteckiges Betonbecken sitzt direkt an der Fjordkante, vor der Benutzung soll man beim nahgelegenen Bauernhof die Erlaubnis einholen. Der Bauer, der keine Fremdsprachen spricht und sehr an den Räuber Hotzenplotz erinnert, erteilt uns mit Händen und Füßen die Erlaubnis, der Pool ist allerdings zu heiß, um es länger als zehn Minuten darin auszuhalten. Mit einemal sehr schläfrig treten wir die Weiterfahrt an; der Himmel zieht sich mit dunklen Wolken zu, doch die Querung der Hochebene nach Holmavik präsentiert sich noch einmal in dramatischem Licht und Sonnenschein, die kobaltblauen Tümpel gleißend zwischen Gestein, Moos und Flechten. Am Straßenrand treiben Reiter ein Rudel Schafe durch ein Flüsschen, das Spritzwasser glüht im Gegenlicht.

Das Zelt schlagen wir an diesem Abend auf einem Hügel unweit der Straße etwas südlich von Holmavik auf; kurz versetzt uns noch die aurora forecast app in Aufregung, da sie einen hohen KP-Wert meldet, aber dank der dichten Wolkendecke ist nichts zu wollen. Noch bevor wir uns schlafen legen, vernehmen wir das Wispern des einsetzenden Regens auf der Zeltplane.

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SoundRecord 2017 09 08 07 59 46
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