Island - Fazit
Ich war lange unschlüssig, wie das Fazit zu dieser Reise aussehen soll und bin es heute, fast zwei Jahre später, immer noch. Zu einem großen Teil hat das auch damit zu tun, dass die Reise so lang und vielseitig war und einige Faktoren, wie drei Wochen am Stück in feuchtkaltem Klima zelten, sich stark ausgewirkt haben, obwohl sie mit dem Land an sich gar nicht so viel zu tun hatten.
Die isländische Landschaft hat mich tief beeindruckt, die vielen Erscheinungsformen der Küste, die Form und Farbe der kahlen Berge, die zahllosen Wasserfälle und die wüstenartigen Hochebenen. Gleichzeitig gab mir die Unwirtlichkeit der Landschaft das Gefühl, im Grunde nicht willkommen zu sein, als Besucher und als Mensch ganz im allgemeinen, so dass ich nur selten das Bedürfnis habe, noch einmal hinzufahren, auch wenn ich immer noch gern Fotos bestaune. Die vorherrschende Kühle fand nicht nur im Wetter, sondern auch im Verhalten der Einheimischen und sogar der anderen Reisenden ihre Entsprechung, die alle irgendwie gedämpfter Stimmung zu sein schienen.
In den drei Wochen sind wir fast viertausend Kilometer gefahren, haben uns nicht beeilt und einige Regenstunden verbummelt, haben aber so viel gesehen, dass wir “islandsatt” zurückgekehrt sind - auch wenn es natürlich noch unzähliges gibt, was wir versäumt haben.
Wir haben die Insel im Uhrzeigersinn umkreist, so dass wir die sehr touristische Südküste zum Schluss vor uns hatten und von den Menschenmengen vor allem an den gut ausgebauten Sehenswürdigkeiten wie Skaftafell, Gletscherlagune, Gullfoss und Konsorten doch recht abgenervt waren. Statt am Gullfoss haben wir dann lieber viel Zeit am wesentlich bescheideneren und zufällig gefunden Silfurfoss verbracht, wo uns niemand auf die Füße trat.
Wie zu erwarten war das Wetter sein eigenes Unterhaltungsprogramm mit einigem an Sonne und spektakulär wolkenschattengetupften Landschaften über Regen von nadelfein bis prasselnd bis zu Sturm, wenn auch zum Glück kein Sandsturm. Der vielbesungene Wetterbericht hat uns jedoch eher enttäuscht, mehr als einmal mussten wir uns wundern, dass die Wetterlage nicht auf die aktuellen Verhältnisse angepasst wurde und sich vor dem Fenster etwas ganz anderes abspielte (etwas unangenehmeres zumeist) als auf der Wetterseite im Internet. Natürlich ist Wettervorhersage keine exakte Wissenschaft, aber zumindest die Tatsachen einpflegen sollte drin sein - da haben wir später in Schottland anderes erlebt.
Was toll war:
- Die Landschaft
- Die vielen hot pots, vor allem in den Westfjorden und die relative Ruhe dort
- Die Seehunde in den Westfjorden
- Die Geothermalgebiete
- Stürme im Zelt zu erleben, insbesondere, da es diese locker weggesteckt hat
- Unsere Wanderungen, zB die über dem Hoffellsjökull
- Das Essen am letzten Abend in Reykjavik und dass wir es doch noch nach Hause geschafft haben, kurz bevor bei Airberlin endgültig die Lichter ausgingen
- Der Vaude-Mantel, auch wenn er viel zu groß war, er hat mich zuverlässig bis zu den Knien warm gehalten
- Die Wanderschuhe, mit denen ich bis zu den Knöcheln im Bergbach stand und trockenen Fußes wieder heraustrat.
- Mobiles Internet in fast jeder Ecke
Was genervt hat:
- Die Völkerwanderung an der Südküste
- Gelegentlich das Wetter: Island- und jahreszeittypisch wechselhaft, “reinrassige” Sonnen- und Regentage gab es auch, sie hielten sich etwa die Waage. Man sollte den Himmel im Auge behalten.
- Der Wetterbericht
- Die Preise
Was gefehlt hat:
- Ein Fernglas
- Regenhosen
- Mehr Klamotten zum Wechseln wären gut gewesen, hier setzte jedoch das Fluggepäck die Grenze
Was überflüssig war:
- Nichts, bis auf reine Sicherheitsaddons wie Zeltflickset, das zweite Paar Schuhe o. Ä. war alles in regem Gebrauch.