Mittwoch, 12. 9. 18 - bird watching hut, Big Burn Walk, Brora, Crackaig
In der Nacht gehen ein paar Quotenschauer nieder und auch am nächsten Morgen, der sonnig anbricht, zeigt sich wieder ein Regenbogen, allerdings ohne dass wir selbst nass werden. Der Wetterbericht sagt schönstes Spaziergehwetter voraus, so dass wir gleich einen Waldweg zum Loch Fleet einschlagen.




Der Loch Fleet ist eine große, flache Sandkuhle, die sich bei Flut mit Wasser füllt, welches bei Ebbe nur zum Teil wieder abfließt; die Gegend ist ein Naturschutzgebiet und ein Paradies für Seehunde und allerhand Vögel. Der Weg, der relativ reizlos schnurgerade durch den ebenen Kiefernwald verläuft, endet an einer der in Großbritannien beliebten birdwatching huts, wo man hinter Jalousien sitzen und die Tiere beobachten kann. Wir stellen allerdings fest, dass uns birdwatching nicht sonderlich liegt und da sich außer ein paar Möwen auch keine Tiere zeigen, essen wir nur unseren Apfel und drehen danach wieder um.
Der nächste Halt ist weitaus spektakulärer und wir finden ihn nur dank OSMand: der Big Burn Walk, eine kleine Runde um und durch eine Schlucht, durch die ein torfiger Bach gurgelt. Die Hänge sind von alten Buchen und Eichen bestanden, Flechten baumeln von den Zweigen und das Sonnenlicht malt helle Tupfen auf den Farn und das hohe Gras. Ein Trampelpfad führt zu einer uralten Buche mit eigentümlich weißer Rinde; ich versuche mich an einer Baumumarmung und bin auf dem Foto später kaum zu sehen. An einer moosbewachsenen Wand perlt tröpfchenweise Wasser die Schlucht hinab.






Am Big Burn Walk
Der Weg, der erst oben um die Schlucht herum, dann auf schmalen Pfaden zum Wasserfall und auf Bohlenwegen und -Brücken am und über das Flüsschen führt, ist weniger als eine Stunde lang, bleibt uns aber dennoch lange im Gedächtnis.
Auf der Straße nach Norden halten wir im schmucken Örtchen Brora, um ein paar Lebensmittel einzukaufen, und entdecken den Laden der wool mill und Weberei Kingcraig, der sofort erkundet werden muss - am Vortag in Cullen habe ich nämlich einen meiner Handstulpen verloren, der schmerzlich vermisst wird und so ist es nur billig, aus hiesiger Wolle einen Ersatz herzustellen, den ich dann tatsächlich im Winter fertigstellen werde. Eine gewebte Kindletasche im Schottenkaro und ein Knäuel gelb und blaugrün gestromte Shetlandwolle verlassen mit mir den Laden.
Die Sonne strahlt über die Küstenlandschaft, die sanft in Form satter Wiesen von Steinmauern durchzogen zum Meer hin abfällt. An den Hängen oberhalb der Straße hingegen gedeiht nur noch der Ginster. In einer Senke liegt malerisch hindrapiert mit seinen weißgetünchten Häusern Helmsdale. Fish & Chips wären jetzt nicht schlecht, aber nur das Café des Timespan Museums hat offen, wo wir uns an Suppe und einem Salat nähren und einen halben Laib ihres selbstgebackenen Brots mitnehmen, denn im Kofferraum wartet noch ein halbes Glas von Uwes guter Leberwurst.







Es ist erst früher Nachmittag, aber irgendwie haben wir keine rechte Lust, noch groß durch die Gegend zu fahren und so wenden wir uns zurück Richtung Brora, erkunden den Strand, in dessen Nähe wir die Nacht zu verbringen planen und trinken im Sutherland Inn noch einen Kaffee. Das Zelt errichten wir später auf einem Wiesenhügel über dem Meer, unweit von Crackaig Camping, einem ziemlich riesigen Platz, auf dem aber nur ein paar versprengte und großteils verlassene Wohnmobile zu finden sind. In der Abendsonne, die uns trotz einiger Schauer, von denen wir aber nur die Regenbögen in der Ferne sehen, gewogen bleibt, lüften wir das Zelt durch und bestaunen die von der Ebbe freigelegten Felsen und die tide pools mit ihren Bewohnern. Als es später wird und der Wind zu kalt wird, verziehen wir uns zu einem Glas Tikka Masala und Leberwurstbrot ins Zelt.