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Mittwoch, 13. 9. - Sturmtag, Raufarhöfn, Arctic Henge, Raudanes, Selardalur, Vopnafjördur

Mittwoch, 13. 9. - Sturmtag, Raufarhöfn, Arctic Henge, Raudanes, Selardalur, Vopnafjördur

Als wir mit der gebotenen Umsicht das Zelt abbauen, stürmt es noch immer gehörig und der Himmel ist bedeckt, aber der Regen hat aufgehört. Bei der Pinkelpause finde ich einen Vogelschädel, der als Souvenir mit nach Deutschland darf.

In Raufarhöfn besuchen wir den nicht besonders aufregenden Arctic Henge und folgen der 85 an einem der winzigen Flughäfen vorbei durch eine rauhe Berglandschaft nach Südosten, wo osmand die nächste Wandermöglichkeit vermeldet: Raudanes, eine grasbewachsene Halbinsel mit Basalt-Steilküste, rundum von Sea Stacks und Vogelfelsen umgeben. Mit Maximalvermummung an Jacke, Handschuhen, Mütze sowie in meinem Fall Zweitmütze, Buff und Kapuze stellen wir uns dem noch immer kräftigen Sturm, nicht ohne gehörigen Respekt vor den steilen Klippen. In der ersten Hälfte der Runde bietet uns ein Hügel vom Land her Schutz, danach sind wir voll dem Wind ausgesetzt, selbst der zottige Pelz der Islandschafe weht wie Flaumfedern und gefühlt muss ich halb auf der Seite liegend gehen, um voranzukommen. Die Aussicht belohnt mit mächtigen Wellen, vereinzelten Sonnenstrahlen und einem Gefühl großer Verlassenheit, die ganzen 7 km über begegnen wir keinem einzigen Menschen.

In Thorshöfn versorgen wir uns noch einmal mit Lebensmitteln, ansonsten beschließen wir, dass ein hot pot jetzt zupass käme und steuern das Schwimmbad Selardalur vor Vopnafjördur an, das recht abgelegen und idyllisch an einer Schlucht liegt. Es soll das einzige Mal sein, dass wir ein richtiges isländisches Schwimmbad komplett mit der berühmten Waschanleitung betreten und ich nutze die Gelegenheit zu einer gründlichen Wäsche mit begeisterung. Erst nach der Dusche geht der Katzenjammer los, denn triefnass, wie ich bin, wird mir der Weg von der Tür bis zum warmen Nass ganz schön lang.

Wir nutzen den hot pot selbst wie auch das kleine Schwimmbecken ausgiebig und kommen dabei mit einem Einheimischen, einer deutschen Auswanderin und drei Touristinnen ins Gespräch. Als wir das Schwimmbad verlassen, neigt sich der Nachmittag schon dem Ende zu und weil uns die Auswanderin davor gewarnt hat, im Sturm noch den Hellisheidi-Park zu überqueren und ich keinen Zeltplatz mehr suchen mag, steuern wir den kleinen Campingplatz in Vopnafjördur an. Er hat schöne kleine Parzellen und sogar warmes Wasser - direkt schade, dass wir ja soeben geduscht haben! Allerdings nutzen wir es, um nochmal Unterwäsche zu waschen und unser Essgeschirr, das seit dem dritten Tag ein hartnäckiges Aroma nach “Yum Yum Beef” verströmt, mal wieder gründlich zu spülen. Vor dem Schlafengehen machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch den Ort, dessen Bürgersteige schon hochgeklappt scheinen.

Schön ist es hier, mit dem Blick auf den kleinen Hafen und die wilden Klippen und Berge auf der anderen Seite der Bucht. Wie muss es sein, hier zu leben? “Everyone works in the fish factory”, sagte der Mann im hot pot.

Bevor wir uns ins Zelt zurückziehen, kommen zwei Kinder auf Fahrrädern vorbei, um die Campinggebühr zu kassieren - mit einem mobilen Visakartenlesegerät.

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