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Mittwoch, 17. 7. - Der Tag, an dem das Auto beinahe repariert worden wäre

Mittwoch, 17. 7. - Der Tag, an dem das Auto beinahe repariert worden wäre
Aussichten um Leknes

Tatsächlich ist unser guter Samariter am nächsten Morgen pünktlich zur Stelle, um uns bei der Werkstatt abzuliefern - eine Tat, für die wir ihm gar nicht genug danken können. Auf dem kurzen Weg unterhalten wir uns noch mit ihm über die Wildcamper, zu denen er ein gespaltenes Verhältnis pflegt, und er empfiehlt uns die Fischburger bei Anita’s Sjomat auf Hamnoya - der einzige Grund, warum er jemals auf die südlicheren Inseln fährt, außer mit dem Abschleppwagen.

Bei der Werkstatt ist man zuversichtlich, das Problem ist nicht unbekannt und das passende Bauteil haben sie auch da. Die Reparatur soll an die 700,- Euro kosten, das ist gerade noch unterhalb der Schmerzgrenze. Heute nachmittag soll das Auto wieder fahrtüchtig sein - das klingt doch prima, wir packen also einen Tagesrucksack und vertreiben uns den Tag in Leknes. Das Wetter ist uns wieder hold und die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Vor einem Kaffeehaus setzen wir uns mit einem sehr guten Heißgetränk in die Sonne und beobachten das Kleinstadtleben, danach spazieren wir südwärts zu einem kleinen Hafenbecken und durch ein Wohngebiet zurück. Zuletzt erkunden wir noch das Heidegebiet in der Nähe des Flughafens, der praktisch direkt hinter der Autowerkstatt beginnt. Der Sonnenhut bildet heute wieder das wichtigste Norwegenaccessoire.

Gegen drei sind wir wieder bei der Autowerkstatt, wo wir noch etwa eine Stunde warten, bis der Audi von der Hebebühne rollt - und immer noch kreischende Geräusche von sich gibt. Der Angestellte beruhigt uns, das sei nicht besorgniserregend, wir bezahlen die Reparatur und begeben uns auf die Straße, das allerdings nur kurz. Nicht nur die Geräusche tun einem in der Seele weh, auch die Motorleistung lässt zu wünschen übrig und die Motorkontrollleuchte tritt zudem noch in Erscheinung. Nein, auch an diesem Abend schaffen wir es nicht nach A, sondern lediglich zurück auf den Hof der Werkstatt, die natürlich mittlerweile geschlossen hat. 

Zwischendurch besprechen wir noch unsere Optionen mit der Versicherung, denn klar ist: Mit unserem Auto werden wir die Rückreise nicht mehr antreten, eine weitere aufwendige Reparatur übersteigt den bescheidenen Restwert. Der Schutzbrief trägt zur Not die Kosten der Entsorgung im Ausland und die Kosten der günstigsten Heimreiseoption, was in dem Fall eindeutig das Flugzeug ist. Weitere Tips hat der nette Mann von der Versicherung nicht, außer die Ruhe zu bewahren - “Aber Sie sind eh sehr entspannt, das ist meistens ganz anders!” 

Was hilft’s, schön ist es nicht, aber auf eine merkwürdige Art ist es auch interessant, dieser Problemstellung zu begegnen und eine Lösung herauszuarbeiten.

Zu Fuß marschieren wir auf einen Hot Dog zu der Tankstelle im Ort, packen danach die Rucksäcke und schlagen uns in die Heide, wo wir auf einer abgelegenen Kuppe das Zelt aufschlagen und uns mit drei Folgen “Stranger Things” von der misslichen Lage ablenken. Dann geht es in die Schlafsäcke - zumindest, bis mich morgens die erste Maschine Leknes - Bodo weckt.

Leknes Airport