Mittwoch, 5. 6. - John O’Groats, Duncansby Stacks, Cairns of Camster, Whaligoe, Dunbeath Heritage Walk, Dornoch
Wenig überraschend werde ich früh morgens durch das Gerumpel und Geräume geweckt, das die Ablegevorbereitungen der Fähre begleitet. Während Heiko noch schläft, ziehe ich mich an und schaue vom menschenleeren Außendeck aus zu, wie die Fähre langsam aus dem Hafen tuckert. Der Himmel ist grau, aber noch fallen nur wenige Regentropfen. Diese haben sich bis Thurso zu einem ausgewachsenen Landregen entwickelt und so gehen Bärbel, Heiko und ich alleine in John O’Groats auf Muschelsuche - Rosa ist es zu nass und sie wettert im Café mit ihrem Kindle ab.
Bei unserer Rückkehr machen wir Pläne für das Heimatmuseum in Wick, werden dann aber erneut vom Wetter überrascht, das sich etwas besser entwickelt als vermutet: Es bleibt grau, aber trocken, so dass noch ein Klippenspaziergang zu den Duncansby Stacks drin ist. Am Schönsten daran ist der Blick auf die vielen brütenden Seevögel, die sich in den Nischen der verwinkelten Steilküste niedergelassen haben. Umgeben von den sich in jeder Ritze festkrallenden Grasnelken sieht es aus, als habe jede Möwenmutter ihre eigenen Balkonblumen.


Vogelfelsen bei John O'Groats
Angesichts des besseren Wetter entscheiden wir uns gegen das Schlechtwetterprogramm und halten uns an der Ostküste südwärts mit erstem Halt Whaligoe Steps. So ausführlich haben wir beiden von diesem Ort vorgeschwärmt und so skeptisch haben sie jedes Mal reagiert, aber da von so vielen Orten die Rede war, sind die beiden schon halb die Treppen herunter, bevor sie Gelegenheit bekommen, sich groß Gedanken zu machen. Heiko und ich werden von einem Anwohner abgefangen, der schon viel Zeit und Geld in die Instandhaltung der Stufen investiert hat und viel über die Geschichte des Ortes zu erzählen weiß, unter anderem, dass es die Aufgabe der Fischerfrauen war, die Kiepen mit Hering die Treppen hinaufzutragen, wobei sie auf halbem Weg an einer etwas breiteren Geländerplatte Pause machen konnten. Auch wenn das Licht dieses Mal weniger schön ist, machen die verwitterten, flechtenbewachsenen und blumenumrankten Stufen doch auch dieses Mal wieder Eindruck und die schiere Majestät des Ortes wirkt auch bei düsterer Beleuchtung - insofern sind auch unsere Reisegäste glücklich, sich dem Besuch nicht verweigert zu haben.

Als nächstes geht es ein kurzes Stück ins Landesinnere zu den Cairns of Camster, wo Bärbel sich jedoch nicht dazu durchringen kann, einen der Steinhügel auch von innen zu besichtigen.
Unterkunftsmäßig wird die Luft hier ein bisschen dünn, aber wir finden ein schönes B&B in Dornoch: “The Olde Manse”. Auf dem Weg dorthin machen wir nur noch in Dunbeath halt und machen einen Abstecher auf den Heritage Trail, der zu dieser Jahreszeit vor Stechginster nur so leuchtet und wo sogar noch dessen Kokosduft deutlich zu vernehmen ist, obwohl die Blütezeit sich schon dem Ende nähert.


Spaziergang in Dunbeath
Zum Schluss lässt auch die Motivation aus und so ist es einer der wenigen Tage, an denen wir etwas früher in der Unterkunft sind und noch ein wenig abhängen. Für das Abendessen reservieren wir einen Tisch bei Luigi’s, einem winzigen Italiener der gehobenen Kategorie, wo ich mir Miesmuscheln gönne, Heiko ein Steak und Bärbel und Rosa einen Teller Pappardalle mit Rinderragout. Alles ist hervorragend und wir müssen alle sehr lachen, als der Inhaber an den Tisch tritt und uns “lobster” anbietet, woraufhin sich Rosa mit Kennermiene zu mir herüberbeugt: “Das ist Hummer!”
