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Mittwoch, 6. 9. - Vatnsfjördur, Hellalaug, Patreksfjördur, Bildudalur, Haunted House

Mittwoch, 6. 9. - Vatnsfjördur, Hellalaug, Patreksfjördur, Bildudalur, Haunted House

Als ich morgens aus dem Zelt spähe, hat der Wind nachgelassen, der Himmel spannt sich beinah wolkenlos über uns und das Sonnenlicht berührt gerade die westlichen Bergkämme. Nach der Anspannung der Nacht hält mich nichts mehr im Zelt, ich mache Bilder, spaziere ein Stück entlang der Straße, ersehne die ersten Sonnenstrahlen auf der Haut. Die Perspektive versetzt mich in Hochstimmung. Als die Sonne endlich die östlichen Berge erklommen hat, essen wir auf unserer unwirklich grün leuchtenden Insel Frühstücksbrei am Strand und bauen das gründlich getrocknete Zelt ab; im Vorbeigehen waschen wir Hände und Kopf an einem der Bäche, die plätschernd und glasklar die Straße begleiten. 

Die Wettervorhersage ist gut und es steht fest, dass wir den Tag zum Wandern nutzen wollen. Gleich im nächsten Fjord, dem Naturschutzgebiet Vatnsfjördur, nehmen wir den ersten Wanderparkplatz und drehen eine Runde zum “Nameless Waterfall”, dessen verspielten, glasklaren Kaskaden wir auf einem schmalen Pfad folgen. Ebereschen, das schon leicht vom Herbst berührte, gelbliche Laub der Birken, Wollgras und Heidelbeersträucher bilden eine eigentümlich sanfte Idylle. 

Zudem sehen wir dort mit einigem Respekt und nur von Schusters Rappen aus unsere erste F-Road.

Die nächste Biegung des Fjords bringt uns an den ersten Hot Pot: Hellulaug. Verwunschen liegt das warme Becken in einer Felswand direkt am Fjord, daneben eine geschützte Umkleidestelle mit fließend warmem Wasser zum Waschen. Wir genießen das warme Bad und sind fasziniert von den winzigen Bläschen, die vom Grund aufsteigen und an der Haut haften bleiben. Nach zehn Minuten allerdings wird der Hot Pot von zwei Wagenladungen Singapurer übernommen - Flucht und Stockfisch im Auto. Mit ordentlich Butter schmeckt das Zeug nicht übel. 

In Flokalundur - dort, wo einst Hrafna-Floki, der als erster Island entdeckte, angelandet sein soll - haben wir die Wahl zwischen mehreren Wanderwegen und folgen der Penna entlang einer felsigen Schlucht, die wir schon von der Straße aus sehen können. Steile Felswände ragen zu beiden Seiten und manchmal auch inselgleich inmitten des klaren, blauen Wasserlaufes empor. 

Die Landschaft ist übergossen von Sonnenlicht, während wir den Fjorden weiter nach Westen folgen. Die Berge himmelhoch und das Meer ganz weit fort. Auf dem Ebbestrand betrachten wir Wasserläufe und sammeln riesige Muscheln.

Vor Patreksfjördur queren wir unseren ersten Pass, eine Mondlandschaft aus Fels und Schotter, mit Moos und Flechten überwachsen. Nur vereinzelte Wasserfälle geben dem Auge Orientierung.

An der Tankstelle einen der vielgelobten isländischen Hot Dogs, die uns nicht begeistern. Es wird Zeit, einen Schlafplatz zu suchen und wir schlagen uns hinter Bildurdalur in eine Nebenstraße, die den Fjord entlang führt. Auf unserer Seite liegt das Tal bereits in tiefem Schatten, doch die Berge am gegenüberliegenden Ufer sind noch von der Sonne beschienen. In Braun- und Grautönen leuchtet der Fels zu uns herüber; so weit nördlich sieht man nur noch wenig Grün, es ist eine rauhe und urtümliche Landschaft. Grüne Wiesen hinter baufälligen Zäunen, aufgegebene Höfe zeugen vom Versuch, auch diesem Flecken Erde genug Nahrung für ein paar Schafe abzuringen. Vereinzelt weiden Dreiergrüppchen von Schafen hoch an den Hängen.

Langsam arbeiten wir uns auf der schlechten Straße nach Westen vor und finden einen Zeltplatz auf einer Landspitze nahe einer weiteren Hausruine. Wir sitzen an der Steilküste und lesen; der Ort ist schön, aber sonderbar und unheimlich in seiner Abgeschiedenheit, so dass ich statt meines Islandthrillers lieber auf leichte Lektüre zurückgreife. Abends gibt es eines der aufwendigeren Essen: Die gute importierte “Brokkoli-Blumenkohlsuppe vitaminisiert” von Aldi-Nord, darin kleingeschnittene Chili-Würstchen.