Montag, 11. 9. - Godafoss, Myvatn, Dimmuborgir, Bjarnarflag, Hverir, Dettifoss , Straße des Grauens, Lundur
Unter bedecktem Himmel machen wir uns auf Richtung Myvatn und treffen dabei zügig wieder auf die Ringstraße. Entsprechend voll ist es am ersten Halt, dem Godafoss, wo wir uns zwischen Busladungen von Menschen dem türkisblauen, über schwarze Felsen donnernden Wasser nähern. Um so beeindruckender, dass es Heiko gelingt, Fotos zu schießen, auf denen kein anderer Mensch zu sehen ist!
Von der Myvatn-Region, der wir uns jetzt nähern, haben uns Reiseführer und Internet viel vorgeschwärmt, so viel zu sehen wie hier gäbe es kaum anderswo. Auf den ersten Blick ist die Region gerade aufgrund ihrer Beliebtheit eine Enttäuschung, das zwar sehr schöne Lavafeld Dimmuborgir verliert gerade durch die säuberlich asphaltierten Wege an Atmosphäre. Nach den einsamen Westfjorden sind die Touristenmengen ein kleiner Schock und den Plan, hier eine Nacht auf einem Campingplatz zu verbringen, um eine Ladung Wäsche zu waschen, verwerfen wir spätestens beim Blick auf die Preisliste: 35 Euro pro Maschine!
Wenn es sich so liest, dass uns Island vor allem zu teuer war, dann trügt das sicherlich, aber gerade in den Regionen mit hoher Touristennachfrage sind wir über das eine oder andere doch schockiert und am Ende soll sich unsere Kniepigkeit auch als angemessen herausstellen. So überwiegt der Trotz: Dann stinken wir eben, sage ich und H. beschwichtigt, Handwäsche wäre doch auch eine Möglichkeit. Generell Konsens: Weg von den Menschenströmen, auch wenn das heißt, nicht alles in der Region anzusehen.


Über einem kleinen Spaziergang über die Halbinsel Höfdi hat der scharfe Wind plötzlich den Himmel freigeblasen und nach einem kleinen Einkauf in Reykjahlid erfüllt mir das Wetter einen meiner Islandwünsche: die bunten Farben eines Geothermalgebiets im Sonnenlicht zu betrachten. Noch vor Hverir halten wir links am Straßenrand in Bjarnarflag. Dampfwolken treiben über das Tal und werfen wandernde Schatten auf die vielfarbige Erde, im Hintergrund gewinnt ein futuristisches Fabrikchen Geothermalenergie, dessen Rohrleitungen sich über das ganze Tal ziehen. Fumarolen stoßen dichten Dampf aus, an anderen Stellen steigen zarte Schwaden aus Spalten und Erdlöchern, Mineralablagerungen färben die Erde. Im Vordergrund ein kleiner, türkisblauer See, der nicht vertrauenerweckend aussieht und an dessen Ufer Schilder die Lebensmüden vom Baden abhalten. Neben den Fumarolen bebt und bollert die Erde unter den Füßen.






Hverir auf der anderen Seite des Hanges ist größer und hat zudem blubbernde Quellen und Schlammtöpfe zu bieten. Der gesamte Berg dampft, überall zischt und brodelt es, als wollte die ganze Region jeden Moment in einem einzigen riesigen Geysir explodieren. Es stinkt zum Gotterbarmen. Wir staunen, bewundern, fotografieren.
Heiko hofft auf Sonne am Dettifoss, so dass wir die Region Richtung Norden verlassen. Die frisch gut ausgebaute Straße führt zu einem monumentalen Parkplatz, auch hier Horden, die sich aber etwas besser verlaufen als am Godafoss. Die Gischtwolke ist schon aus Kilometern Entfernung zu erkennen. Als wir näher kommen, können wir die Wassermassen, die sich da in Bewegung befinden, beinah körperlich spüren und ich halte großen Respektsabstand zur Klippe, während H. einem seiner neuen Hobbies nachgeht: dem Überqueren von Fließgewässern von Stein zu Stein. Am flacheren Hafragilsfoss ist es noch ziemlich grau, doch als wir auf den Dettifoss zuwandern, zeigt sich die Sonne und mit einemal stehen zwei Regenbögen über der Schlucht. Ich atme tief ein und erstmal nicht wieder aus.


Wir verbringen einige Zeit am Wasserfall, staunen und fotografieren. Zum Schluss wagen wir uns auf einem Pfad ganz nah an die Klippe heran und kommen wie aus dem Wasser gezogen zurück.
Richtung Norden ist ab hier die gut ausgebaute Asphaltstraße zu Ende, uns erwarten 20 km dirt road 862 mit riesigen Pfützen und Achsenmörder-Schlaglöchern. Auf dem Weg passieren wir den Besitzer eines roten Opel Corsa, der, vor seinem Fahrzeug stehend, nachdenklich eine der seenähnlichen Pfützen betrachtet. Zunächst queren wir Stein- und Sandwüste, kurz darauf Heide in bunter Herbstfärbung, Moos, gelbe Heidelbeersträucher. Immer wieder quert die Straße meterbreite Verwüstungen, die wir als trockene Flussbetten identifizieren und die uns ein unwohles Gefühl hinterlassen.
Die bisher schlechteste dirt road hat reichlich Zeit gefressen, so dass es schon Zeit für die Suche nach einem Zeltplatz ist, als wir bei Asbyrgi wieder auf die 85 stoßen. Die Gegend ist erstaunlich dicht besiedelt und als wir auf einen gähnend leeren und auch schon für den Winter geschlossenen Campingplatz treffen, schlagen wir unser Zelt dort auf. H. rumpelt tapfer auf dem ins Spülbecken eingearbeiteten Waschbrett bei kaltem Wasser und Spülmittel unsere Wäsche und hängt sie auf der nahen Wäschespinne auf, nur um zu hören, wie kurz darauf erste Regentropfen zart auf die Zeltplane klopfen.