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Montag, 15. 7. - The right lane is the correct lane

Montag, 15. 7. - The right lane is the correct lane
Bovaer

Der Morgen ist wie so oft ein bisschen bewölkt; diesmal hängen Federwolken in verschiedenen Höhenlagen sehr dekorativ über dem Bergsfjord und den umliegenden Gipfeln. Wir sparen uns das Frühstück zugunsten von Kaffee und Teilchen in Skaland, aber der Rückweg zieht sich heute ein bisschen. Wir sind uns einig: Absteigen macht einfach immer halb so viel Spaß. Um so besser schmeckt der Cappuccino auf der Terrasse der Skaland Lodge. Mittlerweile hat sich wieder zum größten Teil die Sonne durchgesetzt. Weil Heiko noch einmal die Langzeitbelichtung am Strand von Bovaer wiederholen will, nehmen wir dort mit einem Imbiss aus dem Joker-Markt und Biola Abschied von Senja, ich sammle noch ein paar Muscheln und Korallen, Heiko fotografiert den Pfahlbau und auf meine Initiative hin einen pyritgemaserten Fels. Dann wenden wir uns zurück Richtung Botnhamn, um dort die 14-Uhr-Fähre nach Brentsholmen auf Kvaløya zu nehmen; das Wetter hier soll bis zu den Lofoten umschlagen, also haben wir spontan einen Ausflug nach Tromso eingebaut. Ich freue mich schon auf diese sehr arktische Stadt, die der nördlichste Punkt unserer Reise sein wird. Zur Feier des Tages haben wir uns sogar ein einfaches Hotelzimmer gegönnt, das uns mit 70,- noch nicht einmal arm macht.

Am Fährhafen stehen vor uns schon etliche Autos in zwei Spuren, von denen wir uns auf gut Glück in die Rechte einreihen und uns kurz darauf tatsächlich als vorletztes Auto an Bord quetschen dürfen, sehr zum Missvergnügen des Nachbarn in der linken Schlange, der an Land bleiben muss, so sehr er auch darüber schimpft, da er dringend nach Tromso will, um seinen Flug zu erreichen. Ob er das auf dem Landweg noch geschafft hat? Wir werden es nie erfahren.

Die Fähre ist ein winziger Kahn, außer dem Autodeck und einem kleinen Warteraum gibt es nichts zu sehen und ich blicke ein wenig neidisch auf das Strickzeug einer Mitreisenden, allerdings dauert die Überfahrt auch nur etwas unter einer Stunde. Das Ausladen geht zügig und wir nehmen die Brücken nach Sommaroy, wo wir einen Spaziergang über die Heide machen, die hübschen Grassodenhäuschen und die türkisfarben leuchtenden Flachwasserzonen bewundern, die sich gegen dunkle Wolken am Horizont besonders dramatisch abheben. Danach stellen wir uns wieder an der einspurigen Brücke Richtung Tromso an und folgen der 862 ins Inland und übers Fjell, wo wir jedoch trotz großer Bemühungen meinerseits kein einziges Rentier erspähen können. Damit wir nicht schon am Nachmittag in Tromso eintreffen, machen wir noch einen Schlenker auf die Nordküste von Kvaløya und einen Spaziergang am Strand von Grotfjorden. Der Ort, der auf einen gewissen Besucherandrang eingestellt scheint, liegt ganz und gar ausgestorben im wolkenverhangenen Licht, weit draußen auf dem Wasser glitzern ein paar Lichtpunkte. 

Gegen sechs Uhr abends langen wir schließlich in Tromsø an; ein kleines Abenteuer, denn die Insel ist über Tunnel erreichbar, in denen es wie selbstverständlich nicht nur Auf- und Abfahrten, sondern auch die allgegenwärtigen Kreisverkehre gibt. Unser Hotel, das “Skansen”, liegt sehr zentral in der Storgata, so dass wir erst einmal einen natürlich kostenpflichtigen Parkplatz ausfindig machen müssen, dessen Automat unsere Kreditkarte nicht mag - erst ein Anruf bei der angegebenen Nummer hilft mir weiter, man muss die Karte zunächst wieder herausziehen und dann geht es weiter! Der check-in im Hotel ist dann einfach, das Zimmer ist es auch, aber für uns ist es mehr als ausreichend; wir werfen zunächst nur unsere Sachen, eine wilde Mischung aus Taschen und drybags, aufs Bett und rücken wieder aus, um die Stadt zu erkunden. Sie gibt sich weitgehend schmucklos, was das Wesentliche ist, wird offenbar, wenn man sich dem Wasser nähert: der Hafen. An kilometerweise Anlegestellen gibt es Boote aller Art zu bewundern, vom ordentlich zerdellten Eisbrecher bis zum luxuriösen Kreuzfahrtsschiff. Wir schlendern den Hafen entlang bis zum Polarmuseum und der leicht überdimensionierten Büste Roald Amundsens, schaudern ein wenig vor den glorifizierten Bildern der Eisbär- und Robbenjagd und suchen uns ein Plätzchen zum Essen. Wir landen bei Kaia, für Heiko gibt es einen Rentierburger, für mich ein Klippfisch-Bacalao, beides sehr lecker. 

Wir erwägen noch, über die Brücke zur Eismeerkathedrale zu laufen, aber da es ein gutes Stück zu gehen ist und wir ohnehin kein großes Interesse für sakrale Baukunst haben, reicht uns eigentlich der Blick von hier aus.

Schließlich landen wir gegen elf wieder in unserem Hotelzimmer, wir duschen ausgiebig, ich wasche viele Male die Haare und wir fallen erledigt in die Betten.