Montag, 17. 9. 18 - Dunnet Head, John O’Groats III, Seehunde, Abreise

Kurz vor sechs werde ich wach, als die Fähre für das boarding vorbereitet wird und das Ablegen von Stromness verfolge ich vom Bett aus. Heiko will noch duschen, so dass ich mich schon mal anziehe und in der Magnus Lounge einen Kaffee trinke, während die Klippen von Hoy vor dem Fenster vorüberziehen. Es ist grau, der Wetterbericht sagt Regen voraus.
Im Restaurant lösen wir unsere Frühstücksgutscheine ein und ich stelle fest, dass ich so langsam kein English Breakfast mehr sehen und vor allem zu dieser Uhrzeit riechen mag. Einmal im Jahr ist dagegen nichts einzuwenden, öfter muss es nicht sein.
Vom Hafen Scrabster aus machen wir einen Abstecher nach Dunnet Head, der aber vom Schiff aus wesentlich beeindruckender aussah als von obendrauf und auch keine Spazierwege bietet. Die Aussicht nach Orkney fällt ebenfalls aus, denn da regnet es schon. Der Wetterbericht für die nächsten Tage ist unterirdisch, der Sturm kommt und ganz Großbritannien wird was davon haben, zumindest heftigen Regen und starken Wind, auf See braut sich noch mehr von der Sorte zusammen und eigentlich mag ich nicht mehr. Wir entschließen uns zum Versuch, die Fähre umzubuchen und da es für den Moment noch trocken ist, versuchen wir uns zum dritten Mal am Klippenweg bei John O’Groats. Den Muschelstrand lassen wir diesmal recht zügig hinter uns, dafür sehen wir in der nächsten Punkt kleine dunkle Punkte aus den Wellen auftauchen: Seehunde! Wir verbringen einige Zeit langsam den Strand entlanglaufend, die Seehunde folgen uns neugierig und kommen näher, so dass wir ihre aufmerksamen Gesichter und lustigen Fellzeichnungen genauer sehen können. An Land treffen wir eine Frau, die ehrenamtlich angeschwemmten Müll sammelt.
Heiko ist so abgelenkt von den Seehunden, dass ihm eine Welle die Schuhe füllt, aber da hat uns das schlechte Wetter ohnehin schon erreicht und wir wenden uns zurück zum Auto.
Leider lässt die Fähre sich nicht umbuchen und eine Neubuchung, was zwar möglich wäre - wie das geht, kann die Fährgesellschaft nicht logisch erklären -, ist uns zu teuer, so dass nur die Fahrt nach Dover bleibt. Zwischendurch erwägen wir diverse Optionen, doch in Schottland zu bleiben, unter anderem einen Abstecher nach Aberdeenshire, doch das ist weder viel besser noch ist es landschaftlich noch das Schottland, in das es uns zieht und so wenden wir uns schweren Herzens nach Süden. Es folgen viele Stunden Fahrt, ein MacDonald’s-Besuch zu später Nacht in Glasgow, eine Übernachtung in einem billigen Motel in Carlisle bei Manchester und ein langer nächster Tag, an dem uns das Navi unerschrocken direkt an der Londoner Innenstadt vorbeileitet. Heiko meutert und ist nervös, es geht aber alles glatt und ruck-zuck sind wir wieder raus aus London und irgendwann auch in Dover.
Dort am Fährhafen werden wir routiniert abgefertigt und es wird uns sogar angeboten, auf eine frühere Fähre umzubuchen, was wir gern annehmen. Nur wenige Minuten, nachdem wir an Deck gefahren sind, legt der große Kahn dann auch schon endgültig Richtung Dunkirk ab und mit letzten Blicken auf die hübschen Kreidefelsen lassen wir für dieses Mal Großbritannien hinter uns.

Auf dem Schiff stoße ich noch kurz an, ein paar weitere Tage in Frankreich zu verbringen, will nicht wahrhaben, dass unsere einzige diesjährige Reise nun zu Ende ist und der Winter kommt und trauere ein wenig, schließlich können wir uns aber auf nichts einigen und so kommen wir spätnachts zu immerhin sehr glücklichen Katzen zu Hause an.