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Montag, 18. 9. - Heinabergsjökull, Höfn, Jökullsarlon, Campingplatz des Grauens

Montag, 18. 9. - Heinabergsjökull, Höfn, Jökullsarlon, Campingplatz des Grauens

Als wir aufwachen, hat der Wetterbericht leider recht gehabt, es ist grau, nieselt und während ich vor dem Zelt stehe und auf den Gletscher schaue, schiebt sich eine Nebelwolke vor ihn - jawohl, auf Bodenhöhe! “So” ein Tag soll das heute also werden. 

Unverdrossen besichtigen wir auch die nächste Gletscherzunge, den Heinabergsjökull, und spazieren dort zu einem Wasserfall und zum Gletschersee, wo sich gerade ein Trupp Kajakfahrer fertigmacht - man fragt sich, wie die alle auf der kleinen Lache Platz haben sollen! Bevor wir es herausfinden können, geht es schon weiter oder genauer: zurück, wir planen, ein Café in Höfn aufzusuchen und dort den regnerischen Mittag zu überbrücken. Leider scheitert der Plan daran, dass es in Höfn kein Café gibt, es gibt statt dessen einen Burger und ein Hummerbaguette in der Hafnarbudin, bevor wir zurück zum Auto schlendern und die Weiterfahrt Richtung Osten antreten. Natürlich können wir, wie gefühlt halb Europa, am Jökullsarlon nicht vorbeifahren. Langsam treiben Eisberge vom Gletscher aus hinaus aufs Meer, nur um dort wieder an den schwarzen Strand gespült zu werden und der Regen nimmt der Sache nichts von ihrer Faszination. Seehunde tauchen zwischen den Eisbergen. Ebenfalls unverdrossen: ein koreanisches Brautpaar, das sich vor besonderer Kulisse ablichten lassen will.

Das Wetter wird immer mieser, mittlerweile hängen die Wolken überm Autodach, es gibt aber auch nichts, wo man vernünftigerweise hinfahren könnte, schließlich wollen wir nicht 5 Tage vor dem Abflug schon in Reykjavik sein. Die einzige Zwischenlösung stellt sich in Form eines relativ großen Campingplatzes mit Küchenhaus dar, der Svinafell camp site. Mittels Wasserkocher gibt es Tee im Küchenhaus, free wifi, um neues Serienfutter - konkret: The Expanse, Staffel 2 - runterzuladen und viele merkwürdige Leute mit sehr fragwürdigen camping skills zu bestaunen. Die einen versuchen sich im kreativen Gebrauch des Campingkochers, die anderen haben ihr Zelt mitten in einer Pfütze aufgestellt und am Abend trifft dann noch eine französische Reisegruppe ein, die einen halben Supermarkt dabeihaben und erstmal mit großem Bohei Essen machen. Im übrigen wird überall gerotzt und gehustet, anscheinend bekommt das Klima nicht allen so gut wie uns. Ich schiebe es auf die Temperaturwechseltherapie aka “hot pot mit Wind”.

Ich darf im Trockenen bleiben, während H. das Zelt an der trockensten Stelle des Platzes aufbaut. Im Laufe der Nacht, während der es weiterhin unausgesetzt schüttet, stellt sich heraus, dass auch die trockenste Stelle nicht besonders trocken ist, aber immerhin bleibt es bei uns von oben wie unten trocken und wir müssen die Nacht nicht im Küchenhaus verbringen wie die Hälfte der anderen. 

In dieser Nacht erreicht meine Moral einen Tiefpunkt, der Wetterbericht sagt unausgesetzte Wolkenbrüche für die nächsten Tage voraus und als ich sage “Am liebsten würde ich umbuchen und morgen zurückfliegen”, hat H. nichts dagegen. Werden soll trotzdem nichts daraus, da ich aufgrund eines verrückten Catch 22 die Airline nicht anrufen kann und so ist erstmal schlafen angesagt, während auf dem Platz immer noch Leute ankommen, Menschen Zelte aufbauen oder mit durchdrehenden Reifen über die Rasenfläche navigieren.

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