Montag, 4. 9. - Snaefellsnes-Regenrunde
Mit einem Zutrauen in den Wetterbericht, das in den folgenden Tagen rapide abnehmen wird, warten wir das für zehn Uhr angesagte Ende des Regens ab, das interessanterweise tatsächlich kommt. Nach einem frugalen Frühstück aus Schärenbrot mit Orangenmarmelade schaffen wir es tatsächlich, das Zelt abzubauen und auf einer von H. kunstvoll improvisierten Wäscheleine den Versuch des Wäschetrocknens zu unternehmen. Das reichlich verschlammte Tarp knüllen wir hinter den Beifahrersitz, wo es den Rest der Reise zubringen wird.
Es neigt sich dem Mittag zu, als wir der Küste weiter nach Snaefellsnes folgen. Wir fahren auf Berge zu und an Bergen entlang und fühlen uns sehr klein. Kurz nach Mittag setzt der Regen ein. Islands Himmel ist endlos, wenn es klar ist; wenn es regnet, schrumpft er zu einer Käseglocke von wenigen hundert Metern Durchmesser und man wähnte sich in einer Ebene, wenn man nicht wüsste, dass die Berge noch existieren, irgendwo hinter dem Nebel.
Im Laufe des Tages wird der Regen zur Unausweichlichkeit. Wir verlassen das Auto wenig, spazieren ein paar Schritte durch ein Lavafeld - so dick mit Moos bewachsen, dass das Gestein nur hier und da als schwarze Sprenkel sichtbar wird, der Pfad ein weiches, schwarzes Band zwischen den formlosen Brocken. In Arnarstapi ein Ausflug entlang der Steilküste, deren Basaltsäulen und -quader als dunkles Mosaik aus der Gischt ragen, die Wellen leuchtend hellblau selbst bei diesigem Wetter.
Wir folgen der Straße um die Halbinsel, durchqueren den Nationalpark, der erstaunlich gut besucht ist, an jedem Parkplatz mindestens eine Handvoll Autos. “Da vorn wird es heller”, ein halbes Dutzend Mal geäußert, entpuppt sich als Wunschdenken. Der Wetterbericht verspricht Sonne in Stykkisholmur, wo wir mit ratlosen Gesichtern auf dem Supermarktparkplatz warten, während der Regen in schweren Tropfen auf die Windschutzscheibe fällt. Eigentlich wollten wir mehr von Snaefellsnes sehen, wollen aber auch nicht im Auto warten, bis es - vielleicht - besser wird, also weiter nach Osten mit dem Fernziel Westfjorde. Wir folgen dem Alftafjord, kurz darauf einer Seitenstraße Richtung Süden, wo wir an einem Fluss ein ebenes Plätzchen finden und tatsächlich hat der Regen aufgehört. Der Fluss rauscht und gluckert, ist glasklar und heißt Stora Langadalsa.
Das warme Abendessen fällt aus, weil H. den Anzünder für den Kocher nicht finden kann und das Sturmfeuerzeug nicht funktioniert und auch das Taschenmesser weg ist - das geht ja gut los! Es gibt Schärenbrot mit Marmelade, was mich wenig stört. Während der Wind auffrischt und starke Böen über das Zelt donnern, lesen wir - ich “Das glühende Grab”, Heiko “Ready Player One” - und schlafen bald darauf ein.
