Samstag, 8. 9. 18
Vor Reisefieber wache ich an diesem milden und sonnigen Tag früh auf, was nur gut ist, denn Heiko hat den noch anstehenden Arbeitsaufwand mal wieder ein bisschen zu optimistisch dargestellt und so rödle ich ab acht Uhr ununterbrochen, wenn auch teilweise mit so essentiellen Aufgaben wie bei woolworth noch einen Waschlappen und ein Sturmfeuerzeug einzukaufen. Gegen zwölf schließlich ist alles fertig, die Kater bis zum Besuch der Katzensitterin versorgt und wir machen uns auf gen Westen, mit Umweg über Oberhausen nach Amsterdam, wo im Hafen Ijmuiden schon die King Seaways auf uns wartet, um uns nach Newcastle-upon-Tyne zu bringen.
Der Verkehr stellt sich als unproblematisch dar, die Grenze nach Holland ist bald erreicht und auch das “roam like at home” funktioniert unproblematisch - wie angenehm, denn das Gefrickel mit den ausländischen SIM-Karten mochte ich auf den letzten beiden Reisen nie besonders. Am Hafen Ijmuiden hat der Himmel ein liebliches Stahlgrau angenommen, ein frischer Wind weht und da der Umkreis einen eher abgerissenen Charme verströmt, checken wir bereits einige Stunden vor Ankunft auf der Fähre ein und buchen noch ein Abendessen zu. Die “King Seaways” der Reederei DSDF ist ein größerer Kahn, mit Platz für 2280 Menschen und 570 Autos ragt sie 9 Decks hoch in den Himmel. Auch bei dieser Fähre parken die Autos unzeremoniell in langen Reihen im Bauch der Fähre, ohne gesondert gesichert zu werden. Unsere Kabine, eine der einfacheren mit Stockbett, hat immerhin ein Fenster und eine kleine Couch, wo wir ein wenig abhängen, bis es Zeit zum Ablegen ist. Vom Deck aus bietet sich eine gute Aussicht über die Bucht und die bunten Badehäuschen am nahegelegenen und, wenig überraschend, völlig leeren Strand. Kaum ist die Hafeneinfahrt passiert, beginnt das Schiff deutlich spürbar zu schwanken - etwas überraschend, aber mit großem Unterhaltungswert.




Da es an Deck zu kalt und windig ist, um sich länger aufzuhalten, und wir auch keine Lust auf die Gastronomie haben, ziehen wir uns bis zum Abendessen in die Kabine zurück, wo Heiko ein Schläfchen hält und ich mich meinem Strickzeug widme, während der Seegang zunimmt und mich sanft hin- und herschaukelt. Draußen ist es grau bis auf den Schaum auf den Wellenkämmen.
Der Weg zum Restaurant hat dann auch seine Tücken, denn sea legs wachsen mir so schnell nicht und auch beim Buffet ist es reines Glück, dass ich mit meinem Teller sicher wieder am Tisch ankomme - zudem ist das Restaurant halbleer, vielen mag der Seegang auf den Magen geschlagen haben. Unser Kellner berichtet zudem von seiner Einarbeitungszeit, denn ein Tablett mit Biergläsern zu navigieren ist schon auf festem Boden nicht immer einfach.
Zurück in der Kabine kommt der Schlaf schnell, ich kraxle in das obere Stockbett und genieße die schaukelnde Bewegung des Schiffs, das mich zusammen mit dem Stampfen der Motoren schnell in den Schlaf wiegt.