2 min read

Samstag, 9. 9. - Hochlandwanderung

Samstag, 9. 9. - Hochlandwanderung

Morgens ist es wieder trocken und wir können unser Frühstück sogar sitzend an einem Picknicktisch einnehmen. Der Himmel hängt tief, als wir die Westfjorde endgültig verlassen und uns, teils durch dicke Nebelschwaden, über die 68 nach Süden wenden. Von hier an wird uns nicht mehr auf Schritt und Tritt ein hot pot begegnen, aber ein Abzweig soll uns zu einer Wanderung führen, an deren Ende eine heiße Quelle liegt. Die Landschaft wird flacher, die Farmen am Straßenrand größer, jeder Kilometer nach Süden macht sich bemerkbar.

Nach nur zwei Kilometern Ringstraße biegen wir rechts ab auf die 701 und folgen ihr ins Landesinnere. Von Anfang an werden wir ordentlich durchgeschüttelt und die Straße wird wie gewohnt immer schlechter, je weiter wir ihr folgen. In gefühltem Schrittempo durchqueren wir eine mattgrüne Hügellandschaft, die sich bis zum Horizont erstreckt. Nach einigen Kilometern schneidet uns ein Wasserlauf den Weg ab, wir parken den Jeep am Straßenrand und versuchen uns zu Fuß an der Querung. Ich bin eigentlich nach den drei Flüsschen schon bedient, aber danach wird es einfacher, die Schotterpiste endet an einer Koppel und wird zu einem Schafspfad, der sich hügelauf, hügelab schlängelt, die malerische Sika in ihrem Felsenbett immer zu unserer Rechten. Es fehlen die bisher allgegenwärtigen Schafe, doch der Pfad ist voller Schaf- und Pferdespuren, offensichtlich sind sie vor wenigen Tagen erst abgetrieben worden und die Leere der eintönigen Landschaft unter dem grauen, formlosen Himmel hat etwas Schwindelerregendes. Fast meditativ ist dieses Dahintrotten, ohne dass es viel zu sehen gäbe. Nach ein paar Kilometern taucht am Horizont, verwunschen wie ein Spukhaus, eine Hütte auf, die baufällig auf windschiefen Stelzen steht. Dort soll die heiße Quelle sein - ich kann es kaum erwarten, meine Füße werden lahm und ein heißes Bad käme jetzt gelegen, zumal wir sicher davon ausgehen können, hier die einzigen zu sein.

In der Hütte findet sich neben ein bisschen Mobiliar und ein paar Konservendosen noch ein Notenblatt mit Cohens “Hallelujah” - “Was Christliches”, sagt H., der nur flüchtig daraufgeblickt hat. Unten am felsigen Bachbett dampft es vielversprechend, aber der Hot Pot ist leider eine Enttäuschung, ziemlich leer, veralgt und zudem zu heiß. Nach kurzem Überlegen treten wir den Rückweg an und genießen am Auto mit reichlich müden Füßen die bisher wohlschmeckendsten Chocopops der Reise sowie eine Zimtschnecke. Dann wackeln wir zurück Richtung Ringstraße und weiter nach Osten.

Hier finden wir ein wieder ganz anderes Island mit ausgedehnten Ebenen und unzähligen Pferdeweiden vor. Unser Nachtlager schlagen wir in einem abgelegenen Flusstal - eine der unzähligen Laxas - kurz hinter Blönduos auf, wo wir im Vorbeifahren wieder einige Bauern beim Auseinandersortieren ihrer Schafe beobachten. Kaum haben wir das Zelt aufgebaut, beginnt ein feiner Regen zu fallen und wir kuscheln uns mit “Sherlock”, der sich nur dank Untertiteln wirksam gegen das Flussrauschen durchsetzen kann, in unsere Schlafsäcke.

audio-thumbnail
SoundRecord 2017 09 09 10 37 24
0:00
/601.721905