Schottland 2019 - der Familienurlaub








Donnerstag, 30. 5. - Ein langer Abend in Edinburgh
H. und ich haben uns schon Dienstagmorgen voneinander verabschiedet, als er zu einer Dienstreise nach Bayern aufbrach, um schon an Ort und Stelle zu sein, um am Donnerstag mit meiner Mutter zusammen von München aus anzureisen. Da Christi Himmelfahrt ist, kann ich ausschlafen und habe den ganzen Vormittag, um aufzuräumen und alles für den Urlaub vorzubereiten. Am Ende gerate ich dann doch noch in etwas Hektik, was darin resultiert, dass ich ein bisschen zu wenig Klamotten einpacke, sitze aber pünktlich mit meinem kleinen roten Koffer in der S1 Richtung Düsseldorf Flughafen.
Dort angekommen, darf ich zügig und kostenlos meinen roten Koffer einchecken, esse bei dem leckeren Italiener eine Portion Räucherlachs und begebe mich durch die Sicherheitskontrolle, wo ich mal wieder abgetastet werde, aber immerhin meine Schuhe anbehalten darf und mein Gepäck nebst Strickzeug keine Beanstandung findet. Auf dem Weg zum Gate werde ich diesmal durchs Obergeschoss geleitet und muss an insgesamt drei Checkpoints Ausweis und/oder Bordkarte herzeigen. Zum regulären boarding wäre jetzt gar nicht mehr so viel Zeit, leider verzögert sich alles, so dass wir mit gut einer Stunde Verspätung abheben. Der Blick aus dem Flugzeug zeigt nur dichte Bewölkung, nur über Nordholland reißt sie kurzzeitig auf, so dass ich von oben die Amsterdamer Grachten, das Ijsselmeer und die meerwärts gelegenen Polderlandschaften bewundern kann.
Der Wetterbericht für Edinburgh sagte ergiebigen Regen voraus und dabei bleibt es auch. Als ich in schneller Folge sowohl meinen Koffer vom Band als auch ein paar Pfund Sterling aus dem Automaten geholt habe und im Airlink-Bus richtung Innenstadt sitze, gießt es derartig, dass ich links und rechts kaum etwas erkennen kann; was nicht von Regen und Nebel verdeckt wird, verschleiert die dicht beschlagene Scheibe. Google Maps hat empfohlen, Wester Coates auszusteigen und so stapfe ich mit Schirm und Köfferchen, die immerhin farblich zusammenpassen, den Hügel hinauf. In kleinen Gärtchen sitzen hübsche Sandsteinhäuser und abenteuerlich wird die Strecke erst, als sie auf dem Weg zum Leith steil einen bewaldeten Hügel hinunterführt. Jogger und Hundespazierenführer begegnen mir, riesige Pfützen stehen auf dem Weg und ich komme mir ganz schön dumm vor, muss aber auch sehr lachen. Eine Station später raus und dann der Straße entlang wäre bestimmt einfacher gewesen, aber auch so komme ich kurze Zeit später gegen sechs Uhr einigermaßen trockenen Fußes im Hotel Britannia an - hätte ich das gewusst, hätte ich doch direkt die Wanderschuhe angezogen!
Das Zimmer ist einfach und nicht sehr gemütlich und ohnehin zieht es mich trotz des Regens wieder hinaus - es ist das erste Mal, dass ich allein in einer fremden Stadt bin und Edinburgh interessiert mich sehr.
Mit Navigation in einem Ohr schlage ich mich entlang der hübschen Häuschen am Leith entlang und wandere durch die New Town bis zur Burg, die dräuend und mit einer Regenwolke auf dem Haupt auf ihrem Felsen sitzt. In dieser Lichtstimmung wirkt Edinburgh düster und sehr, sehr alt. Rund um die Burg haben Polizisten alles abgesperrt, was mir merkwürdig vorkommt, ich arbeite mich dann aber über den Grass Market und einige Stiegen bis vor den Haupteingang vor. Die Burg selbst hat ebenfalls geschlossen, mittlerweile bin ich auch schon ein bisschen nass und es wird Zeit fürs Abendessen, so dass ich in Deacon Brodie’s Tavern einkehre, einer sehr urigen Kneipe, wo eine Menge los ist. Nach einem Balmoral Chicken - eine mit Bacon umwickelte und mit Haggis gefüllte Hühnerbrust in Whiskeysauce - und einem Gin Tonic sind die Lebensgeister wiederhergestellt. Als ich mich quer durch die Old Town langsam wieder richtung Hotel schlängle - die in einem Ohr mitlaufende Navigation, die mich bei all meinen Abstechern wieder in die richtige Richtung schubst, ist dabei sehr nützlich -, dämmert es langsam, dafür hört der Regen fast auf. Durch großzügig angelegte Siedlungen nobler Stadthäuser komme ich bei Einbruch der Dunkelheit wieder beim Hotel an, entscheide mich gegen ein weiteres Gin Tonic und ziehe mich statt dessen ins Hotelzimmer zurück.
Heiko und Rosa sollen gegen Mitternacht ankommen, ich weiß aber bereits, dass ihr Flug ebenfalls verspätet ist.