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Schottland-Fazit

In der Woche nach unserer Rückkehr las ich, dass der Sturm zwar heftig war, aber nur einen Tag andauerte und zwar hohe Windgeschwindigkeiten gemessen wurden, aber daraufhin nichts mehr nachkam und das Wetter sich besser entwickelte als gedacht. Auch unabhängig davon habe ich lange - im Grunde bis zu unserer nächsten Schottlandreise ein Dreivierteljahr später - gebraucht, um mit dieser abgebrochenen Reise soweit meinen Frieden zu machen, dass ich diesen Reisebericht schreiben mochte.

Im Nachhinein denke ich, wir hätten den einen Sturmtag auswettern, uns noch jeder eine gute Regenhose kaufen, tagsüber unerschrocken wandern, mal ein Museum einstreuen und nachts in B&Bs absteigen sollen, aber eine Mischung aus dem Bedürfnis, das Geld zusammenzuhalten und Zweifeln an der eigenen Ausdauer bei schlechtem Wetter haben uns von dieser Option absehen lassen. 

Generell hat mir Schottland sehr gefallen, weil es, wenn auch in kleinerem Maßstab, faszinierende, abgelegene Natur wie Island bietet, ohne gleichzeitig dessen Unwirtlichkeit zu haben. Auch wenn in den highlands streckenweise nur Schafe anzutreffen sind, finden sich doch im nächsten Nest zuverlässig ein tea room und ein Kramladen, die Menschen sind herzlich, schwatzen gerne und geben Tips. Gleichzeitig finden sich selbst an den Touristenzentren wie Loch Ness in der Nebensaison nie diese Massen an Menschen, wie sie zur gleichen Jahreszeit in Island vorzufinden waren. “Gehobene” Zeltplätze mit schöner Aussicht waren in Fülle vorhanden und die Gesetzgebung zum Wildcampen, die dafür sorgt, dass man sich nicht nur geduldet, sondern auch erwünscht fühlt, tat das Ihrige.

Das schottische Wetter ist wie zu erwarten sehr wechselhaft und hat seinen eigenen Unterhaltungswert. Stabile Großwetterlagen sind eher selten. Stärkerer Regen ist nervig, weil die Wolken dann oft sehr tief hängen und die Sicht stark eingeschränkt ist, so dass es sich anfühlt, als sei man in einer Dunstglocke unterwegs. Im Gebirge hängen auch die bescheidensten Gipfel dann voller Wolken. Die Kehrseite dessen sind die dekorativen weißen Wolkenschleier, die gleich Bändern an den Hängen liegen und sich nur langsam auflösen, auch wenn der Himmel längst etwas aufgeklart hat und die Landschaft charakteristisch von Licht und Schatten getupft wird. Zugleich habe ich noch nie so viele Regenbögen gesehen und das oft, ohne selbst nass zu werden.

Der schottische Wetterbericht hingegen ist so zuverlässig, dass es beinah schon unheimlich ist und wird laufend aktualisiert, anders als in Island, wo Wettermeldungen und Tatsachen für die aktuelle Uhrzeit schon mal weit auseinanderlagen.

Was toll war:

  • Der Nordosten, vor allem die Hochküste
  • Die Farben
  • Die Herzlichkeit der Menschen, denen wir begegneten
  • Die unkomplizierte Anreise
  • Die Zuverlässigkeit des Wetterberichts

Was genervt hat:

  • Gelegentlich und vor allem zum Schluss: Das Wetter

Was gefehlt hat: 

  • Ein Fernglas
  • Noch mehr warme Klamotten hätten nicht geschadet, es war zeitweilig sehr kühl und windig. Gut, dass wir nicht auf Sommerschlafsäcke umgestiegen sind.

Was überflüssig war:

  • Der Hobokocher und die Lagerfeuerutensilien, weil Wetter und Gelegenheit nie zusammengepasst haben. Machste nix.