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Sonntag, 10. 9. - Schafabtrieb, Grettislaug, stormy Saudarkrokur, Akuyreyri

Sonntag, 10. 9. -  Schafabtrieb, Grettislaug, stormy Saudarkrokur, Akuyreyri

Morgens weckt uns der Regen und auch ein Blick aus dem Zelt stimmt nicht optimistisch: Das ganze Tal steckt in einer Regenwolke und wir schauen zu, dass wir Land gewinnen - um nur wenige Minuten später auf der 744 im Schafabtrieb stecken zu bleiben, das aber warm und trocken im Auto. Hunderte von Schafen und zwei Dutzend Reiter kommen uns entgegen, während wir uns staunend und im Schrittempo den Weg in die Gegenrichtung bahnen. Es ist kaum begreiflich, dass aus diesem Durcheinander jeder Bauer seine eigenen Schafe herauszufinden vermag.

Als wir wieder auf die Küste treffen, empfängt uns ein dramatischer Himmel, starker Wind und wilder Seegang. Nach einem Tankstop in Saudarkrokur machen wir einen Bade- oder eher Schwimmstop in der Jarlslaug, ein ovaler Felspool von ca. 15 m Länge. Mir wird es schnell zu kühl. Heikos Traum von einem Hot Pot im Regen wird vorerst nicht erfüllt, nur kurzfristig begischtet ihn eine Atlantikwelle.

Den Mittagssnack nehmen wir am Strand bei Saudarkrokur ein mit Blick auf die dramatischen Wellen, auf die das Sonnenlicht türkisfarbene Flecken malt, und einen Fischkutter, der vom bloßen Hinsehen seekrank macht.

Mehr Sonne bekommen wir an dem Tag nicht zu sehen, so dass wir eins der wenigen Museen der Region anpeilen, das Heimatmuseum in Akureyri, das auf engem Raum ein Sammelsurium von Alltagsgegenständen  aus den letzten zweihundert Jahren vereint, auch den Nachbau eines Torfstecherhauses und einen Einblick in die klaustrophobischen Lebensbedingungen der Bewohner. Außerdem erfahren wir von der hortikulturellen Geschichte der Stadt: Akureyri ist einer der baumreichsten Orte Islands und beherbergt auch die älteste Birke der Insel, die immerhin 15 Meter hoch ist. Einfallsreichen Siedlern ist es auch gelungen, Kartoffeln und Rhabarber an geschützten Standorten anzubauen und auf unserem nachfolgenden Spaziergang Richtung Innenstadt begegnen wir tatsächlich einem Schrebergärtchen mit diesen Pflanzen.

Außerdem auf dem Weg: Akureyris älteste Eisdiele, die seit 1908 Softeis verkauft und sich ihre nostalgische Optik bewahrt hat. 

Die ganze Zeit über bleibt uns ein feiner Regen erhalten, der erst gegen Abend langsam abflaut. Auf der Suche nach einem Zeltplatz schlagen wir uns Richtung Osten in eins der Seitentäler und nisten uns auf einem Fleckchen Gras am Fluss Fjnoska ein. Während H. Suppe kocht, lässt er bereits missmutig verlauten, dass es in selbige tropfe, sodass wir uns so schnell wie möglich ins Zelt zurückziehen. 

Im Laufe des Abends donnern noch zweimal Jeeps auf der Straße vorbei, die vermutlich zum Angeln wollen. Die Fische scheinen zu beißen, sie sind jeweils zügig wieder zurück und darüber hinaus bleibt es ein ruhiger Abend.

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