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Sonntag, 14. 7. - the great fuel scare oder: Sonnenflecken sind ihr Hobby

Sonntag, 14. 7. - the great fuel scare oder: Sonnenflecken sind ihr Hobby
Aussicht vom Husfjellet

Morgens ist es wieder bewölkt, so dass wir nach dem Frühstücksbrei zusammenpacken und uns an den Abstieg machen. Ruck-zuck sind wir wieder an der Einstiegsstelle. Den Kaffee haben wir diesmal ausfallen lassen, da wir ihn in Hamn i Senja einzunehmen gedenken. Das Ressort aus Hotel und Ferienhäuschen ist in Form eines Hafens auf Pfahlbauten an die Küste gebaut, wobei nicht klar ist, ob der Hafen schon vorher da oder ein findiger Architekt das alles aus dem Boden gestampft hat. Es ist alles hübsch und neu, aber vom Berg aus hatte es einen gewissen Zauber, wohingegen es von Nahem den erwarteten Charme einer Ferienhaussiedlung versprüht. Dafür bewundern wir im Hafenbecken lebende Seeigel und sogar einen Seestern.

Da uns noch ein Fjord bleibt, den wir nicht gesehen haben, fahren wir nach Gryllefjord, von wo aus man die Fähre zu den Vesteralen nehmen kann. Der kleine, langgezogene Ort hat relativ viel touristische Infrastruktur, dennoch stehen wir bei der Tankstelle, die wir eigentlich nutzen wollten, vor verschlossenen Türen, denn sie gehört zu einem Kramladen, der heute geschlossen hat. Da wir schon mal hier sind, machen wir einen Spaziergang am Fjord entlang, bewundern blühende Fliederbüsche, Spatzen, Austernfischer und den Blick auf den Fjord. Gerade rechtzeitig vor Anlegen der Fähre aus Andalsnes machen wir uns wieder aus dem Staub. Mittlerweile hat sich über Hamn i Senja die Sonne durchgesetzt, das Flachwasser leuchtet türkisgrün und eine kleine Insel, die per Hängebrücke zugänglich ist, könnte auf den ersten Blick auch im Mittelmeer oder gar in Südostasien befindlich sein.

Bei der nächsten Gelegenheit halten wir uns landeinwärts Richtung Anderdalen Nationalpark -das Innere der Insel haben wir noch nicht gesehen und der Sprit sollte noch für eine kleine Rundfahrt reichen. Die Landschaft verändert sich sofort; die Berge sind weniger steil, die Täler weiter und gerundeter. Große Senken sind mit niedrigem, urwaldartigem Bewuchs gefüllt - eine interessante Gegend. In größeren Höhenlagen ist noch alles voller Schneefelder - Zelten am Schneefeld fehlt uns noch, allerdings macht uns die Restkilometeranzeige zunehmend Sorgen, schwindet sie doch bei dem Auf und Ab der Streckenführung rapide und so kneifen wir irgendwann und steuern die nächste garantiert offene Tankstelle an, die sich in der Nähe von Finnsnes befindet. Aufatmend tanken wir voll und nebenbei fällt noch ein Hotdog mit Bacon für uns ab. Kaum waren wir wieder in der Ebene, hat sich die Anzeige übrigens auch wieder normalisiert.

Auf der Passhöhe

Mit allem Herumkurven und Ausflügen ist es dann auch schon sechs Uhr und die Ostflanke der Bergkette liegt im Schatten, als wir in Skaland ankommen und das Auto an der Kirche abstellen. Heutiges Nachtlager ist der von Gunnar gepriesene Husfjellet. Der Weg beginnt gemächlich an einer Forststraße, um dann in einen Birkenwald abbiegend rasch an Höhe zu gewinnen. Daraufhin folgen wir einem offenen Plateau, dem Sommerdalen, und genießen die immer besser werdende Aussicht über den Bergsfjord und hinüber zum Sukkertoppen. Das Gehen fällt mir heute leicht, ich habe jetzt den richtigen Rhythmus. Knapp unter dem Gipfel bauen wir auf einer leidlich ebenen Stelle das Zelt auf, werfen die Rucksäcke hinein und gehen die restlichen Höhenmeter bis zum Gipfel, von denen einer ein ziemlich langweiliger Schotterhügel ist, zwei weitere aber über kleine Klettereinlagen zu erreichen sind und wunderschöne Ausblicke zu den Teufelszähnen und zurück über den Bergsfjord bieten. Der Himmel ist voller Fächerwolken und so sind die Berghänge lieblich von Sonnenflecken getupft - das Licht, das ich am meisten liebe.

Eine Spanierin macht noch ein Foto von Heiko und mir und wir grüßen die beiden Wanderinnen, deren blaues Zelt schon auf dem Hesten unser Nachbar war, dann wird es Zeit, sich ins Warme oder zumindest Windgeschützte zu verziehen. Es gibt Tomatensuppe mit Couscous zum Abendessen; eine mitternächtliche zweite Gipfelbesteigung fällt aus, denn inzwischen ist ein frischer Nordostwind aufgekommen und die Temperatur ist auf 3 Grad (gefühlt: 1) gefallen und ich krieche lieber ganz tief in den Schlafsack.