Sonntag, 2. 6. - Skye: Neist Point, Coral Beach, Inverlael
Am nächsten Morgen ist es ziemlich bedeckt und der Wetterbericht sagt für das ganze Land ergiebige Regenfälle voraus, erst nach Mittag soll es von Western her besser werden und da jetzt ohnehin einer von nur zwei günstigen Zeitpunkten ist, die Insel Skye zu besuchen, entscheiden wir uns spontan zu einer Schottlanddurchquerung. Schon nach der Sundbrücke fängt das Scheißwetter an und bleibt uns treu, während wir uns über kleine Straßen durch immer wildere Landschaften nach Norden schlängeln. Zwischendurch würden wir gern noch einmal tanken und ich bitte google maps nach einer gas station mit dem Erfolg, dass wir in Garve ein wenig ratlos vor der railway station landen. Zum Glück kommt kurz vor der Seebrücke noch eine richtige Tankstelle.
Zwischendurch sehen wir weite Täler mit großen Seen und Rhododendrenhecken, die über der Straße zu einem Tunnel zusammenwachsen. Das Wetter wechselt je nach Höhenlage ab zwischen guter Sicht mit einzelnen Sonnenstrahlen und “Hilfe, wir stecken mitten in der Regenwolke”. Aussteigen mag daher keiner und wir kommen gut voran. Auf der Seebrücke nach Skye ist gerade wieder letzeres der Fall, so dass wir gerade mal zur Kenntnis nehmen, dass wir uns auf einer Brücke befinden und vage Konturen von Hügeln und Inselchen erkennbar sind. Auf Skye selbst legt der Regen sogar eher noch eine Schippe zu, so dass wir ehrfürchtig die sonst vermutlich wesentlich bescheideneren Bachläufe bestaunen, die als brüllende Tobel die Hänge hinabschießen.

Die letzten 20 Kilometer zum Neist Point führen über eine unheimlich schmale, einspurige Inselstraße und von dem ständigen Beschleunigen und Abbremsen, um am Gegenverkehr vorbeizunavigieren, wird mir ein bisschen schlecht. Durch almartig anmutendende Wiesen schlängeln wir uns dem Leuchtturm entgegen, wobei das Wasser aufgehört hat, sich um Bachbetten zu kümmern, sondern in breiten Strömen die Wiesen hinab und quer über die Straße rinnt. Dennoch nehmen wir beeindruckt zur Kenntnis, dass, am Kap angekommen, der Regen aufgehört hat und ein frischer Wind von West lockerere Bewölkung auf uns zutreibt.
Ein betonierter Weg führt den steilen Hügel hinunter bis zum Leuchtturm und den von rosa und gelben Blumen bewachsenen Klippen, vor denen Möwen segeln. Vom Weg aus gibt es noch einen vom Winde verwehten Wasserfall zu sehen.
Auf dem Rückweg ist das “Wildwasser” an den Hängen schon deutlich weniger geworden und die Landschaft zeigt in vereinzelten Sonnenstrahlen ihre liebliche Seite. Die Straße zum Coral Beach schlängelt sich zwischen blühenden Hecken hindurch bis zu einem Parkplatz, von hier aus geht es zu Fuß weiter; hinter einer Kuppe öffnet sich plötzlich der Blick auf den schneeweißen Strand, türkisblaues Wasser und kleine vorgelagerte Inselchen. In der Ferne sind die äußeren Hebriden zu sehen.

Ich suche noch nach den Korallenstückchen, nach denen der Strand benannt ist, als mir die eigentümlich groben Sandkörner auffallen und ich feststelle: Es sind alles Korallenstücke! Der gesamte Strand besteht daraus und Bärbel und ich sammeln einige Ästchen und Muscheln.
Später klettern wir noch auf einen kleinen Grashügel, wo es aber derart weht, dass es mir schon wieder unheimlich wird und wir froh sind, wieder unten anzukommen.
Auf der Rückfahrt durch Skye über Portree holt uns das gute Wetter endgültig ein und präsentiert uns spektakulär spitze, kahle Berge mit noch vor nässe glänzenden Steinflanken; dann wieder das Meer. Obwohl es auch abgesehen von den schieren Dimensionen viele Unterschiede gibt, erinnern mich die schroff zum Wasser hin abfallenden Bergflanken an die isländischen Westfjorde.
In Portree kaufen wir noch ein paar Kleinigkeiten fürs morgige Frühstück ein, denn heute übernachten wir in einem Ferienhäuschen, die einzige halbwegs bezahlbare Unterkunft, die ich in der Region Ullapool finden konnte. Der Weg dorthin führt uns in einem Halbkreis zurück in die Highlands und in den Regen, dafür empfängt uns beim Rückweg zur Westküste ein gleißend verwunschenes Licht, als wir uns dem Ende der Regenfront nähern, und mehrere Regenbögen.


Das Ferienhäuschen liegt ganz am Ende des langen Fjordes Loch Broom, unheimlich charmant zwischen alten Bäumen. Vor dem Haus tummeln sich Hühner, deren Eier wir gleich zum Frühstück angeboten bekommen. Während Rosa und Bärbel sich einrichten, fahren wir weiter nach Ullapool, um vom dortigen Chinesen etwas zum Abendessen zu holen und da das Licht gerade so schön ist, sehen wir uns zuvor noch ein wenig um. Die zwischen Meer und Rhododendren verlaufende Landstraße, der hübsche kleine Hafen und die Berge auf der anderen Fjordseite liegen verwunschen in der goldenen Abendsonne.
Das chinesische Essen ist trotz google-Bewertungen eher so lala, macht aber satt und nach Planungen für den nächsten Tag zieht es alle Beteiligten bald ins Bett.
