Sonntag, 9. 9. 18 - Newcastle, Edinburgh, Dunkeld, Cairngorms
Am Morgen hat sich die See spürbar beruhigt und auch das Wetter lässt hoffen. Das mitgebuchte Frühstück ist so lala, auch wenn das English Breakfast beim ersten Mal noch am besten schmeckt, aber die Aussicht ist unschlagbar. Am Tisch kommen wir ins Gespräch mit einem Schüler, der auf Klassenfahrt nach Edinburgh ist und auch wenn er uns siezt, was gar nicht geht, ist es eine interessante Unterhaltung. Was bin ich froh, gleich unabhängig losfahren zu können und nicht in einen Bus gepfercht zu werden!
Als wir schneckenlangsam in den Hafen von Newcastle einfahren, scheint die Sonne und wir haben einen schönen Blick auf die Burgruine und die hübschen, dem Wasser zugewandten Ziegelhäuser. Kurz darauf ertönt auch schon der bereits vertraute Ruf zu den Fahrzeugen - in diesen können wir uns dann in aller Ruhe einrichten und in meinem Fall diverse Runden stricken, denn dank der Passkontrollen werden die Autos in Chargen abgefertigt und es dauert eine gute Stunde, bis wir den Schiffsbauch endlich verlassen können.
“Remember to keep left”, erinnert uns die nette Frau in ihrem Büdchen und wünscht uns eine gute Fahrt.



Die geht direkt etwas chaotisch los und führt uns direkt ins Stadtzentrum von Newcastle, da wir erst zum Hadrianswall wollten und es uns dann doch anders überlegen - so kann Heiko sich schon mal an den Linksverkehr gewöhnen. Kurz darauf sind wir auf der Autobahn richtung Edinburgh und zwischen kurzen, aber heftigen Schauern leuchtet die Spätsommersonne über einer lieblichen Hügellandschaft. Hin und wieder kommt sogar die Nordsee in Sicht.
In Edinburgh überqueren wir die große Sundbrücke mit ihren anmutigen weißen Streben und Blick auf die beiden älteren Brücken und halten uns Richtung Perth. Da wir kurz darauf feststellen, dass es doch nicht übel wäre, etwas Bargeld in der Tasche zu haben, befrage ich osMand nach einem ATM und wir verlassen die A9 in Birnam. Der Automat dort will zwar meine Kreditkarte nicht gelten lassen, bezahlen können wir damit jedoch und kaufen ein paar Lebensmittel ein. Der Verkäufer weist uns in den Nachbarort Dunkeld, dort gibt es eine richtige Bank, deren Automat keine Probleme mit Kreditkarten haben sollte. Mittlerweile lacht die Sonne vom Himmel und der Zufallsfund Dunkeld liegt als zauberhafter Ort weißgetünchter alter Häuser jenseits einer alten Steinbrücke. Auf dem Weg passieren wir zudem noch einen bescheidenen Graben und nur eine Plakette weist darauf hin, dass wir soeben zum ersten Mal die Grenze zu den Highlands überschritten haben.



Dunkeld
In Dunkeld ziehen wir erfolgreich ein paar Pfund aus dem Automaten und investieren gleich ein paar davon in einen Pappkarton “Award winning Fish & Chips”, die auf der Bank am Tay hervorragend schmecken. In einem Café unterhalten wir uns danach noch mit der Angestellten über Islandreisen und sie empfiehlt uns den Waldspaziergang an der Hermitage ein paar Kilometer weiter. Dort führt ein lieblicher Waldweg durch Farn, Moospolster und alte Laubbäume am Braan entlang, einem Flüsschen in einem steinigen Bett. Unterhalb eines Lusthäuschens am Wasserfall bildet er eine Schlucht, die sich zu einem tiefen Becken weitet und wo gerade ein später Schwimmer unzeremoniell die Hüllen fallen lässt und sich in die bestimmt kühlen Fluten begibt.




The Hermitage
An einer künstlichen Höhle gabelt sich der Weg und führt durch den Wald zurück zum Parkplatz. Es ist Zeit, weiter nach Norden zum ersten per googlemaps und walkhighlands herausgesuchten campspot zu fahren, dem abgelegenen Loch Caoldair tief in den Cairngorms. Nach den lieblichen Wiesen und Wäldern rund um Dunkeld wird die Landschaft längs der Straße allmählich wilder und rauher, baumlose Kuppen erheben sich links und rechts, Bäume sind längst der bräunlichen Heide gewichen. Wie später noch öfter betätigen sich die Berge als Regenwolkenfänger, es beginnt sich zuzuziehen, aber noch behauptet die Sonne sich und die ersten Regenbögen haben ihren Auftritt.
An der Raeburn Hut parken wir längs der Straße und schlagen einen Feldweg ein, den wir bald verlieren und quer über die Heide stapfen, die zum Glück nicht sehr sumpfig ist. Nach einem Kilometer liegt kobaltblau der See vor uns, nach zwei Seiten von spärlich bewachsenen Berghängen eingefasst. Unter einem weiteren Regenbogen bauen wir das Zelt am Seeufer in der Nähe eines kleinen Sandstrandes auf und wandern auf der Suche nach Holz für ein späteres Lagerfeuer noch ein wenig herum. Die vielen entwurzelten Birken am Hang wären Grund für Zweifel gewesen, doch noch sind wir optimistisch, einen geruhsamen Abend am Feuer mit vielleicht einem späten Bad im Loch vor uns zu haben.




In den Cairngorms
Das Wetter hat andere Pläne: Kaum liegt das Feuerholz neben dem Zelt, setzt ein prasselnder Regen ein und wenig später fahren starke Windböen ins Zelt. Beides hört bis zum nächsten Morgen nicht auf und so gibt es statt Lagerfeuer und skinny dipping eine Folge Westworld und einen Becher in der Apsis zubereitete Gulaschsuppe.
Heiko schlummert daraufhin zügig ein, doch für mich wird es eine unruhige Nacht, ich muss mich erst wieder an die Nähe zu den Elementen gewöhnen und Vertrauen in das Zelt fassen, das durchaus missvergnügt in den wechselseitigen Böen knattert.