Mittwoch, 20. 9. - Lava Centre, Supermarkt mit Dusche, Fossabrekkur, Sturmnacht II
An sich wollten wir heute die Weiterfahrt nach Landmannalaugar antreten, aber der nächtliche Regen hat die Flüsse so anschwellen lassen, dass an eine Querung erst recht nicht mehr zu denken ist, so dass es zurück richtung Ringstraße geht. Immerhin ist heute ein Museum in der Nähe, das Lava Centre in Hvolsvöllur, in dem wir uns eine Weile aufhalten und in einer sehr nett aufgemachten Ausstellung viel über Islands Vulkane lernen. Nebenbei halten wir noch in einem kleinen Supermarkt vor Ort mit dem Extrafeature, dass es an diversen Stellen durch die Decke regnet. Die Verkäuferin hat Planen und Bottiche verteilt und nimmt es mit Humor.
Zuvor machen wir noch einen Abstecher zur Seljavallalaug, ein hübsch in den Fels hineingebautes Schwimmbecken, vor dem ich aber kneife, weil mir das Wasser zu kalt ist und die Angelegenheit auch ziemlich schlammig aussieht.
Das Lava Centre hat mich daran erinnert, was ich über die Besteigung der Hekla gelesen habe: dass man auf 800 m Höhe parken kann, dann nur noch 600 Höhenmeter zu bewältigen hat und es ein einmaliges Erlebnis sein soll. Wir nehmen uns dies für den nächsten Tag vor und gehen auf die Suche nach einem Campspot in der Nähe des Berges. Nach ein bisschen Hin und Her durch sandig-schwarze Landschaften, die, mit strandhaferähnlichen Gräsern bewachsen, tatsächlich sehr an “Strand” erinnern, finden wir einen guten Platz an der Ytri-Ranga. Die Sonne scheint noch vor einem schwer gewittergrauen Himmel, als wir einen Spaziergang am Fluss entlang zur Fossabrekkur machen, einem sehr idyllischen Zusammentreffen zweier Flüsse. Auf der anderen Flußseite treiben zwei einsame Reiter kaum weniger idyllisch eine handvoll Schafe ab.


Als wir bereit sind, das Zelt aufzuschlagen, kippt das Wetter vollends, Regen setzt ein und es wird stürmisch, so dass wir kräftig zupacken müssen, damit sich die Angelegenheit nicht direkt selbständig macht. Als endlich alles steht, sind unsere Jacken außen und unsere Hosen außen wie innen klitschnass, so dass wir uns vor dem Auspacken von Isomatten und Schlafsäcken erstmal entblättern. Nachdem wir uns aufgewärmt haben, stellen wir fest, dass zum Abendessen noch etwas fehlt, nämlich - ausgerechnet! - Wasser. Im Nachhinein hätte es wohl gereicht, den Kochtopf unter einen Zeltzipfel zu stellen, so aber quält H. sich nochmals in seine nasse Hose, um zwecks Abendessen den Wassercontainer zu holen. Das Essen selbst wird jedoch heute im Vorzelt zubereitet und wir beschließen, zum Pinkeln heute lediglich in Schuhen und Jacke nach draußen zu gehen, was ich kurz darauf auch umsetze. “Du warst ja schnell!”, bemerkt H., als ich binnen kurzem wieder triefend ins Vorzelt krieche.
Das Serienprogramm an diesem Abend hat seine Tücken, das das Prasseln des Regens den Ton gut übertönt, das Wackeln des Windes am Zelt aber auch das Lesen der Untertitel erschwert. Das anschließende Einschlafen fällt dennoch leicht, mittlerweile vertraue ich darauf, dass das Zelt die Strapazen überstehen und uns trocken halten wird.