Sonntag, 8. 7. – Fahren, fahren, fahren
Die Katamaranfähre von Sassnitz nach Ystad haben wir erst wenige Wochen vorher gebucht, es wird wieder die frühe Überfahrt mit Start um 8 Uhr. Am Donnerstagabend bereits trudeln wir bei Heikos Eltern ein und verbringen dort noch ein paar Tage mit ihnen, Stefanie und Valerian. Ich mache am Freitag einen ausgiebigen Regenspaziergang in den Hellbergen und stelle fest, dass die neue Hose sehr schnell trocknet, die Regenjacke aber im Wolkenbruch rasch undichte Stellen bekommt. Vielleicht hilft ein bisschen extra Imprägnierung? Immerhin hält sie für ein Weilchen trocken, ist winddicht und nicht allzu schwitzig.


Am Sonntag heißt es gegen halb sechs dann aufstehen und nach Verabschiedung durch Heikos Eltern fahren wir im schönsten Frühmorgenlicht nach Stralsund und quer über die Insel Rügen zum Fährhafen. Wir sind diesmal erst um zwanzig nach sieben da, was dazu führt, dass wir nach nur wenigen Minuten Wartezeit schon aufs Schiff können. Das Ablegen verfolgen wir vom Außendeck, ziehen uns dann in die Sessel zurück und ich verbringe den Rest der Fahrt mit Musik hören und stricken.
Auf der schwedischen Seite dann hat sich der Himmel zugezogen und nach den ersten schönen Kilometern durch Getreidefelder und rollende Hügel wird die Fahrstrecke gewohnt schwedisch-eintönig: Felsen und Bäume, Bäume und Felsen. Hin und wieder ein See oder Fluss, der vom Kajakfahren träumen lässt.
Trotz Sonntag ist einiges an Verkehr, vor allem an der Tankstelle, die wir, beseelt vom Wunsch nach hot dogs, aufsuchen: es ist derart voll, dass gerade keine Würstchen fertig sind. Also gibt es nur Teilchen und Kaffee.Wir wenden uns ab Helsingborg direkt nach Norden. Da Corona anscheinend vorbei ist, sind wir diesmal an keinerlei Vorgaben zum Wann und Wie der Einreise gebunden und Heiko hat einen Grenzübergang in der Nähe von Trysil ausgesucht.
Zwischen den großen Seen wird die Strecke etwas abwechslungsreicher und wir sehen eine ganze Weile den Vätternsee rechts liegen. Dann sind wir auch schon in der Nähe des geplanten Tagesziels, des Tiveden Nationalparks. Ein Urwaldgebiet, in dem ich schon vor unserer allerersten Schwedenreise 2016 einen Stern auf der Karte gesetzt hatte; nun, 6 Jahre später, besuchen wir es endlich.


Der einzige Nachteil: Zelten ist im Nationalpark nur auf ausgewiesenen Plätzen erlaubt. Mich würde das vor allem für die erste Nacht nicht so sehr stören, aber Heiko behagt es überhaupt nicht. Wir schauen uns also die Gegend schon einmal an und gehen die Runde zu den „Trollkirchen“. Der Weg ist sehr hübsch über massige Gesteinsplatten und durch lichten Kiefernwald, es riecht nach Harz und hin und wieder lassen sich auch ein paar Sonnenstrahlen sehen. Bald stehen wir am Seeufer und dem ausgewiesenen Zeltplatz.
Da ich mich auf der Karte verschaut habe, ist die Runde zurück um einiges länger als angenommen und mit reichlich Auf und Ab ausgestattet, was mich irgendwann nervt, zumal einige Wegstellen ziemlich kaputterodiert sind. An anderen Stellen hat man direkt Treppen gebaut.
Der knorrige, verwunschene Wald mit all dem Totholz ist schön, trifft aber nicht so richtig einen Nerv bei uns und bleiben wollen wir nicht, zumal wir, als wir kurz nach sechs wieder beim Auto anlangen, sehen, wie der zunächst am Zeltplatz gelegene Parkplatz auf einmal voller Autos steht.Gleichzeitig wird es so langsam Abend und die Frage “wo dann” wird akut. Die Gegend zwischen Vättern und Vänern ist, wie versprochen, sehr schön, überall sind kleine Seen, Flussläufe und Boote, sie ist aber auch für schwedische Verhältnisse richtig dicht bebaut und ich merke mal wieder, wie wenig ich die Zeltplatzsuche in solchen Gegenden mag, weil ich mir dort immer wie ein Eindringling vorkomme.
Nach einiger Sucherei finden wir am Ufer des Skagernsees trotzdem einen schönen Platz, auch wenn wir eigentlich zu dicht an einer Hütte stehen - da dort aber gerade niemand ist, geht das, aber so richtig wohl fühle ich mich trotzdem nicht.

Der Abend ist warm und das Wetter schön, so dass wir die Gelegenheit zu einer Wäsche am Seeufer nutzen. Es wird auf dieser Reise die einzige dieser Art bleiben. Das Abendessen lassen wir ausfallen und kriechen direkt ein bisschen ermattet in bzw. Unter die Schlafsäcke, während die Wellen träge ans Ufer klatschen. Gelegentlich hören wir nachts ein kräftiges Platschen, aber es ist nichts zu sehen. Vielleicht ein Fisch, Otter oder Biber?