Donnerstag, 12. 8. - Verborgene Wasserfälle und Softeis am Fährhafen
Morgens ist der Wind zurück, es ist ein bisschen grau und allgemein etwas ungemütlich und da auch keine allzu lange Wanderung zum Auto vor uns liegt, brechen wir wieder einmal ohne Frühstück auf. Irgendwo unterwegs werden wir schon einen Kaffee finden!





Auf die Rondane schauen
Der erste Supermarkt in Atnbru hat hier nichts zu bieten, aber in Strombu, einer Touristeninfo am Rondane Nationalpark, werden wir fündig. Von unterwegs haben wir einen tollen Blick auf die Berge und der Nationalpark lockt uns sehr, aber wir wollen heute an die Westküste fahren und dabei hoffentlich ein nahendes Schlechtwettergebiet durchstoßen. Wir sind noch nicht ganz an Rondane vorbei, da weist mich ausgerechnet google maps auf eine sehenswerte alte Brücke hin. Am zugehörigen Parkplatz gibt es sogar eine Wandertafel mit einem eingezeichneten Rundweg am Fluss entlang zu einem Wasserfall - ja dann!






Kiefernwaldparadies an der alten Grimsabrücke
Die Wanderung wird eine der richtig tollen Zufallsentdeckungen. Die rekonstruierte Holzbrücke, die auf massigen Trockenbaupfeilern ruht, bringt uns auf die andere Flussseite, wo wir durch den Kiefernwald langsam an Höhe gewinnnen. Der schmale, weiche Pfad ist traumhaft zu gehen und der lichte, immer wieder von Flechten durchzogene und von Pilzen bewachsene Waldboden ein toller Anblick. Als highlight stellt sich dann tatsächlich der Wasserfall heraus, der durch eine Klamm samt überhängendem Aussichtsfelsen mit großem Getöse zu Tal schießt. Die wenigen Meter, die die Felswände trennen, werden mit einer Holzbrücke - diesmal modern und einfach gehalten - überwunden und der Pfad führt auf der anderen Seite, diesmal direkt am Ufer, zurück.


Die nächste google-Entdeckung ist weniger spektakulär, aber auch ganz schön: ein Museumsdorf in Folldal, hoch oben am Hang. Leider sind auch hier die Gebäude nicht geöffnet, das Gelände ist aber zugänglich und wir können die alten Häuser und Wirtschaftsgebäude mit ihren üppig bewachsenen Grassodendächern von nahem bestaunen. Dann wenden wir uns nach Westen. Aufgrund der Wetterlage und der vermutlich späten Ankunft am Ziel buchen wir ein Hotel an der Westküste. Damit werden wir den verregneten Nachmittag und Abend hauptsächlich mit Fahren verbringen, morgen Alesund besichtigen und danach soll es dann wieder besser werden.
In Dombâs machen wir eine Pause für hot dogs und Kaffee an der Tankstelle; hier waren wir vor drei Jahren schon einmal. Hier ist tourismusmäßig richtig was los, aber wohl hauptsächlich im Winter. Sogar die Architektur, mit viel dunklem Holz, erinnert mich an die Wintersportorte in den Alpen.
Nördlich fahren wir an den hohen Bergen Jotunheimens, Breheimens und des Jostedalsbreen vorbei, bewundern die steilen Wände und die Wasserfälle, die man gelegentlich zu Tal stürzen sieht. Irgendwo östlich des Strynfjell kommt der Regen dann endgültig, so dass wir uns diesmal für den Tunnel und nicht die Straße übers Fjell entscheiden. Auch am Dalsnibba Aussichtspunkt verpassen wir nichts. Ich erinnere mich lebhaft an die Fahrt übers Fjell damals, die leuchtend blauen Gewässer zwischen Moos und Heide, blanke Felsen und wollweiße Schafe. Heute sieht man links und rechts der Straße kaum etwas.
Die Wasserfälle am Trollstigen sind heute beeindruckend; da wir die ganze Straße bis Geiranger hinter einem osteuropäischen Reisebus herzockeln, haben wir viel Zeit zum Gucken, auch wenn Heiko im Grunde lieber vorbeifahren würde.

Am Ornevegen steigen wir aus und schauen in den düster daliegenden Geirangerfjord hinein, Wolkenfetzen hängen malerisch an den Wänden. Ansonsten regnet es dermaßen, dass die Sicht für den Rest der Reise eher bescheiden ausfällt und von der schönen Strecke am Storfjord entlang haben wir visuell wenig. Wir halten uns an Musik schadlos, ich stricke an meinem Riesentuch und wir langen gegen halb acht an unserem Hotel an, wo man ebenfalls etwas mit den Wassermassen zu kämpfen hat.
Nach einem burger im Hotelrestaurant - ich hatte eigentlich Bacalao bestellt, der aber einen “Unfall” hatte - hat der Regen aufgehört und wir treiben uns noch ein wenig am Fährhafen herum, essen ein Softeis, bewundern die tiefhängenden Wolken auf der anderen Fjordseite und die an- und ablegenden Fähren.




Abendlicher Fährverkehr in Sunde