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Donnerstag, 20. 7. - rauf, runter, rüber

Donnerstag, 20. 7. - rauf, runter, rüber
Unweit von Lødingen

Am nächsten Morgen ist das Wetter zwar nicht mehr so düster wie gestern, aber auch nicht so sonnig wie angekündigt; dementsprechend haben sich auch die Schwaden auf dem Hochplateau noch nicht aufgelöst. Wir lassen uns Zeit mit dem Aufbruch und machen noch einen Strandspaziergang, wobei wir der Flut beim Eintrudeln zuschauen. Meinen Beinen geht es besser, aber jeder Schritt bergab ist mit einem mörderischen Muskelkater verbunden. Das wird noch lustig, denn der Weg zurück zum Auto führt entweder über den Küstensteig oder über das 400 Meter hohe Plateau, und den Küstensteig will ich definitiv nicht wiedersehen.

Nach Porridgepudding und Kaffee packen wir am späten Vormittag alles zusammen und machen uns an den Aufstieg. Dieser führt zunächst über Sand. Und Sand. Und noch mehr Sand. Wir kommen höher und höher und immer noch ist der Weg: Sand. Meistens schön fest und überhaupt sehr hübsch, von Strandhafer und Blumen gesäumt, mit einzelnen Schafkötteln garniert, aber doch recht merkwürdig. Auf hundert Meter erreichen wir ein kleines Plateau mit einem schönen Bergsee inmitten von Beerenheide, hier kann ich mich etwas ausruhen, bevor wir die letzten 300 Meter relativ direkt in nur kleinen Serpentinen aufsteigen. Selbst hier oben findet sich noch Sand!

In dem Tal waren wir alleine, hier oben treffen wir direkt die ersten Menschen; ein ganzer Strom von ihnen will aus östlicher Richtung zum Matinden und zurück. Die Schwaden hängen immer noch tief, man kann gerade so darunter durch in die Landschaft gucken, aber so richtig spektakulär sieht es nicht aus und auch heute noch pfeift ein fieser Nordwind über die Ebene. Dafür sehen wir ganz nah ein paar Seeadler kreisen. 

Der Plan, hier nochmal zu zelten und den Tag zu verbringen, ist endgültig gestorben, hier ist es zu ungemütlich und zu belebt. Nach ein bisschen Kartenstudium finden wir dann auch das richtige Plateau und arbeiten uns langsam und mit schöner Aussicht hangabwärts. Das letzte Stück geht es dann relativ steil hinunter zur Straße; hier leide ich mit meinem Muskelkater des Todes ziemlich. Als (etwas fragwürdige) Strategie federe ich so viel wie nur möglich mit den Stöcken ab, mit dem Erfolg, dass ich später am Auto kaum das Shirt über den Kopf gezogen bekomme und am nächsten Tag zusätzlich zu den Oberschenkeln auch an Armen und Schultern den Muskelkater des Todes haben werde… well, whatever gets you through the day.

Am Auto gibt es Marmeladenbrot und beim Supermarkt in Bleik noch die übliche Soda/Himbeeren/Biola-Kombination, wobei das Aussteigen nach fünf Minuten Fahrt anscheinend einen gewissen Unterhaltungswert hat. 

Ich frage google maps, um wie viel länger als die Fährüberfahrt eigentlich ein road trip zurück nach Tromso dauert und es stellt sich heraus, dass es gar nicht viel länger ist und wenn man bedenkt, dass man vermutlich 4 - 6 Stunden am Fährhafen wartet, lohnt sich das Anstellen für uns überhaupt nicht. Insofern ist schnell entschieden, über die Vesteralen und Narvik zurückzufahren, bei der Gelegenheit noch etwas mehr von den Vesteralen zu sehen und irgendwo am Weg ein Hotelzimmer zu nehmen. Ins Zelt kriechen möchte ich heute nicht mehr unbedingt.

Die Fahrt über die Vesteralen ist schön, die riesigen Sumpfflächen erlauben einen weiten Blick ins Land und hin und wieder ragen unverhofft steile Berge daraus hervor. Als wir uns weiter Richtung Südosten vorarbeiten, wird die Landschaft insgesamt bergiger. In Sortland, dem ersten größeren Ort mit einer Circle-K-Tankstelle, gönnen wir uns einen guten Kaffee und einen hot dog. Ich bin immer noch reichlich steifbeinig unterwegs.

Hinter Sortland geht es dann durch die dramatischen Gipfel und tief eingeschnittenen Fjorde des Moysalen Nationalparks, zeitgleich klart das bewölkte Wetter auf. Angeblich hat man von einem der Berge hier die beste Aussicht Nordnorwegens - vielleicht werden wir das irgendwann einmal ausprobieren. Das Licht jedenfalls wird hier richtig schön, wir schlängeln uns an den Fjorden entlang und das Sonnenlicht fällt leuchtend türkis ins flache Wasser. Unser Quartier für die Nacht ist das Tjelsundbrua Hotel, es liegt direkt hinter der imposant hochgewölbten Sundbrücke und ist zu Heikos großem Amüsement über zwei Treppen zu erreichen - mittlerweile habe ich den Muskelkater des Todes sowohl auf- als auch abwärts.

Da der Abend so schön ist, machen wir uns noch auf einen kleinen Spaziergang, bei dem wir einem nahen Wanderweg ein Stückchen folgen und zuschauen, wie ein Trawler einer Lachsfarm unter der Brücke hindurchfährt.