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Freitag, 21. 7. - Blaues Eis und falsche Bären

Freitag, 21. 7. - Blaues Eis und falsche Bären
Am Vestbreen

Morgens habe ich immer noch Muskelkater des Todes, aber wieder große Lust zu wandern und zu zelten. Der Wetterbericht für Lyngen ist für die nächsten Tage gut, also vollenden wir heute unsere Vesteralenrunde und werden die nächsten Tage dort verbringen.

Hier ist es morgens ziemlich grau und von der Fahrt ist mir nicht viel in Erinnerung außer, dass wir gefühlt hunderte Kilometer von Tjelsundbrua auf den Ausstieg eines Wanderwegs stoßen, der auf einer Gesamtlänge von nur 67 Kilometern das Gebirge überquert.

Lyngseidet

In Nordkjosbotn bleiben wir auf der E6 und lernen so auch mal die Ostküste der Lyngenhalbinsel kennen. Mittlerweile ist der Entschluss gereift, von Furuflaten aus ins Lyngsdalen zu wandern und die nächsten 4 Tage dort zu verbringen - davor müssen wir aber noch ein bisschen was einkaufen und fahren kurz nach Lyngseidet. Dort kaufen wir Fertigporridge - von unserem Selbstgemachten haben wir nicht mehr genug dabei - und Äpfel und packen in Furuflaten sorgfältig das Auto. Auch wenn wir nie wirklich weit von der Zivilisation weg sein werden, ist es doch unser längster geplanter Ausflug und es wäre ärgerlich, wenn etwas fehlen würde. Also dreimal Porridge, reichlich Kaffeepulver, dreimal Trekkingnahrung und etwas Yum-Yum-Suppe als Reserve. Außerdem wird die power bank eingepackt, die sich als komplett nutzlos herausstellen wird - aber das ist eine andere Geschichte!

Dann geht es los, auf einem sehr untypischen kinderwagentauglichen Spazierweg am Fluss. Der Weg steigt langsam an bis zu einer Holzbrücke - ich merke das Gewicht des zusätzlichen Essens ganz ordentlich -, danach geht es rechts des Flusses auf einem schmalen Pfad weiter. Das Wasser ist nie weit weg. Der Weg führt durch offene Wiesen- und Heideflächen tiefer in das Bergtal hinein. Die hohen Berge links und rechts liegen dunkel unter grauen Wolkenhauben, ab und zu nieselt es. Ich erschrecke mich kurz und heftig vor einem zottigen schwarzen Tier, auf das wir hinter einer Wegbiegung stoßen, dann ist klar: Es ist ein Schaf.

Es geht über zahlreiche Bächlein und einmal über eine lustige improvisierte Brücke aus zwei Stämmen und einem Seil. Irgendwann kommt der Gletscher in Sicht, das Eisblau leuchtend zwischen dem düsteren Grau der Bergflanken und der Wolken, die sich langsam tiefer ziehen.

Kurz vor der Hütte am Beginn des Deltas sehen wir die schmale Alubrücke, die auf die andere Flussseite führt - die wollen wir morgen erkunden! Heute wollen wir am Gletscher auf der rechten Seite schlafen. Nach einer kurzen Pause an der Hütte, wo wir tatsächlich ein Zelt sehen, folgen wir einem Pfad weiter durch ein Wäldchen aus Birken und mannshohem Farn, dann geht es bergauf. Die Birken sind nur noch so hoch wie wir, bis sie völlig verschwinden. Wir folgen dem Ablauf des Gletschers bis zu einer Ebene voll sandiger Moränenhügel - vor hundert Jahren wird vielleicht auch diese Fläche noch von Eis bedeckt gewesen sein. Die Vegetation holt sich den Boden zurück, aber in den kurzen Sommern hier bleibt ihr dazu nicht viel Zeit: Es gibt Steinbrech und knöchelhohe Weiden, der Rest ist wüstenartig, Sand und Geröll. Vor uns dann eine steile Granitwand, oberhalb derer thront das Eis.

Wir gehen so nahe ran, wie das Terrain es erlaubt und überlegen, ob wir den Bach noch furten wollen, entscheiden uns aber dagegen; der Untergrund in der Moräne ist nicht immer fest, einmal sinkt Heiko unvermutet bis über den Knöchel ein und der Bach hat ohnehin schon reichlich Strömung. Wir bauen das Zelt auf einem der Sandhügel auf, der obendrauf eine derart ebene Fläche hat, wie wir das selten gesehen haben, und genießen den Ausblick; nach Osten können wir bis zu den Bergen auf der anderen Fjordseite schauen.

Das Gestein ringsumher ist eisenhaltig, die Wand unterhalb des Gletschers von dicken rostbraunen Flächen durchzogen und auch der Sand, auf dem das Zelt steht, ist so eisenhaltig, dass sich eine ganze Schicht von Spänen an den Magnetclip der Trinkblase heftet.

Heiko verfügt, dass mit Hinblick auf meinen gerade überwundenen Muskelkater des Todes heute nicht mehr groß herumgewandert wird, also setzen wir uns vors Zelt, lesen und haben zum Abendessen einen Kartoffeleintopf von Trek'n– Eat eindeutig das Schlusslicht auf der Rangliste der Trekkingessen, ziemlich dünn und schmeckt nach nicht viel. Im nachhinein frage ich mich, ob wir nicht vielleicht zuviel Wasser reingegossen haben? Der Hunger treibt es jedenfalls rein und wir sind zum ersten Mal auf unseren Reisen froh, Salz und Pfeffer dabei zu haben - das Problem hat man mit YumYum-Suppe üblicherweise nicht...