Samstag, 22. 7. - Herumfaulen im Lyngdalen, Teil 1
Wir haben beide nicht besonders gut geschlafen, trotz des total ebenen Zeltplatzes - sind wir beide nicht mehr daran gewöhnt, wenn es zu eben ist?! Es ist nach wie vor unheimlich mild, so dass ich auf der nackten Isomatte geschlafen und den Schlafsack nur als Decke benutzt habe. Im Schlafsack ist es gemütlicher, aber irgendwie viel zu warm.
So lassen wir den Morgen gemütlich angehen, frühstücken, trinken Kaffee und sitzen noch eine Weile gemütlich vorm Zelt und lesen. Zum Frühstück gibt es den Fertigporridge, den wir gestern in Lyngseidet gekauft haben, komplett mit Milchpulver und Rosinen, aber bar jeglicher Süßung! Wieder mal rettet Tassenpudding den Tag. Das Wetter hat sich etwas aufgeklart und sieht bedeutend freundlicher aus als gestern, auch wenn sich die Wolkenhauben nie so richtig von den umliegenden Bergen verabschieden und wir dementsprechend auch nie strahlenden Sonnenschein haben.





Gegen Mittag packen wir zusammen und folgen dem Pfad wieder hinunter bis zur Hütte, wo wir drei fröhliche Pensionisten beim Wurstbraten treffen, und über die schmale Alubrücke auf die andere Talseite. Die größte Herausforderung dabei besteht darin, den dezenten Pfad durch den Birkenwald wiederzufinden, damit man sich nicht durchs Gesträuch schlagen muss.
Hinter der Brücke geht es direkt auf dem Talboden weiter, auf Augenhöhe mit dem reißenden, trüben Gletscherwasser. Es ist geradezu unheimlich, wie eben der geröllige Boden hier ist - man könnte hier Zelte für eine ganze Armee hinstellen, jedenfalls, wenn sie keine Ansprüche an die Weichheit des Untergrunds stellt...





Herumtreiberei im Lyngdalen
Wir folgen dem Flussbett, bis uns ein vom Hang herunterkommendes Flüsschen den Weg verstellt - es führt klares Wasser und wird eine Zeitlang zweifarbig, bis es sich ganz und gar mit der Gletschermilch vermengt hat. Dem Bachlauf folgend gewinnen wir an Höhe und finden auf einer kleinen, ebenen Heidefläche einen Platz fürs Zelt, wie auf einem Balkon mit Blick auf das Tal, die Berge und Gletscher auf der anderen Seite. Hinter uns plätschert ein weiterer kleiner Bach über unwirklich dicke Moospolster daher.




Mittlerweile hat sich die Wolkendecke wieder fest über uns geschlossen, es wird immer grauer und es wird auch schon Abend, so dass wir keine große Lust mehr zu weiteren Ausflügen haben. Statt dessen legen wir die Isomatten nach draußen und lesen eine ganze Weile mit Ausblick auf den Vestbreen, von dem an einer Stelle mit großem Getöse ein Stück abbricht, so dass es im ganzen Tal grollt. Wir beobachten außerdem zwei Jungs beim Herumturnen am Bach, den sie anscheinend überqueren wollen, es sich aber zum Glück wieder anders überlegen und zurück zur Brücke wandern.
Zum Abendessen gibt es wieder eine Trekkingmahlzeit, Pasta Bolognese von Adventure Foods - ich halte darüber nur fest, dass es immerhin ordentlich gewürzt war. Einige Jahre später beim Verfassen dieses Berichts kann ich sagen, dass gefriergetrocknete Bolognese für uns einfach kein Erfolgsmodell ist und von keinem Hersteller so richtig gut ankommt.
Abends stellen wir fest, dass keines unserer Telefone noch mehr als 13% Akkukapazität hat - aber macht nichts, wir haben ja die power bank dabei! Als wir diese in Betrieb nehmen wollen, stellt sich heraus, dass sie wohl hinüber ist - nach 90% Akkustand schaltet sie übergangslos auf "leer" um, so dass wir sie komplett umsonst herumtragen. Dementsprechend schalte ich mein Telefon ab diesem Abend aus. Empfang ist ohnehin nicht wirklich vorhanden, nur hier oben kommt gelegentlich ein bisschen was an, unten auf dem Talboden ist keinerlei Verbindung.
Das ist anfänglich ein sehr merkwürdiges Gefühl - wir sind an einem relativ abgelegenen Ort, ohne Empfang und jetzt auch noch ohne GPS und wollen erst übermorgen wieder zurück -, aber ich gewöhne mich recht schnell daran. Wir wollen ohnehin nur noch ein wenig herumstreunen und keine navigatorischen Leistungen mehr vollbringen.
Gut aber, dass mein Kindle noch frisch aufgeladen ist!
