Montag, 15. 8. - Viel Wasser und abenteuerliche Straßen
Es nieselt nachts und morgens setzt wie angekündigt etwas stärkerer Regen ein, aber als wir mit Frühstück und Kaffee fertig sind, macht er eine Pause. Wir ziehen dennoch direkt die Regenhüllen über die Rucksäcke, als wir uns bei sehr dramatischer Aussicht und godrays über den Hurrungane-Bergen auf den Weg machen. Wegmarkierungen gibt es weiterhin keine, also suchen wir uns einen Pfad die steinige Flanke hinab zum nordwärts gelegenen See und wenden uns dann links. Unterwegs kommen wir an einem Schneefeld vorbei, wir rubbeln uns die Gesichter mit Schnee ab und füllen etwas von dem tieferen, sauberen Schnee in die Trinkflasche. Danach ist mir sehr warm!

Ich hatte gehofft, unten am Seeufer wieder auf Pfadreste oder Steinmännchen zu stoßen, aber wir finden nur sehr vereinzelt welche. Unsere Seeseite ist grün, mit dicken Moospolstern und idyllisch plätschernden Bächlein; die Hänge rundherum liegen sehr grau und kahl in diesigen Morgenlicht da. Wir arbeiten uns weiter vor und verlieren dabei langsam an Höhe, bis wir auf eine Stelle mit Salzlecksteinen für Schafe stoßen; ab da gibt es immer wieder einen Pfad bis zur Hüttensiedlung Nystolen. Zwischenzeitlich hat uns der Regen wieder eingeholt und wir ziehen die Regenjacken an. Auf diesem Ende gibt es unfassbar viele kleine Bächlein, die vom Hochplateau herunterrieseln und alle auf Steinen gekreuzt werden wollen. Es gibt Wasser von allen Richtungen.

Hinter der Hüttensiedlung, die komplett verlassen da liegt, führt ein schöner Weg tiefer in den Wald und führt uns deutlicher abwärts. Die Tverrelva hören wir immer wieder unterhalb donnern, können sie aber zumeist nicht sehen. Unter den Bäumen ist es fast trocken, es riecht nach Wald, der Boden ist stellenweise von einem dichten Nadelteppich bedeckt.
Nach einem Stück Forstweg kommen wir schließlich auf der Zufahrtsstraße wieder aus dem Wald und müssen gut 100 Höhenmeter auf der Straße wieder zum Parkplatz zurücklatschen, was ganz schön anstrengend ist. Der Schnee in der Trinkflasche ist noch immer nicht ganz geschmolzen, als wir, vorbei an einem Ferienhaus, auf dessen Terrasse sich Schafe ins Trockene gerettet haben, zum Auto zurückwandern. Es ist um die Mittagszeit und erstmal sind frische Hosen, Schuhe, Socken und Verpflegung angesagt.
In Ardalstangen, das heute noch verlassener wirkt als gestern, kaufen wir uns Himbeeren und eine Biola und machen Pläne für den Rest des Tages. Das Wetter bleibt durchwachsen und ich mag heute nacht nicht zelten, also gibt Heiko die Losung aus, ein schönes Hotel an der Westküste zu suchen - das finde ich auch, 5 Stunden entfernt. Wir fahren durch den Regen und ich stricke an meinem Riesentuch. Die letzten zwei sind wir auf den Straßen 379 und 570 unterwegs, die im allerbesten Sinne abenteuerlich sind: Schmal und eng am Fels klebend windet sich die Straße an Seen und Flüssen entlang, durch kleinere Tunnel hindurch. Zum Glück ist nicht viel Verkehr, das Fahrerlebnis ist wirklich etwas Besonderes.


Auf der Brücke nach Sandoyna sehen wir dann das Meer wieder und fahren durch bucklige Heidelandschaft die letzten Kilometer zum Skjerjehamn Hotel, das ganz an der Spitze der Schäre sitzt und wo wir eine komplette Ferienwohnung beziehen können. Das Hotel ist wirklich toll und die Aussicht grandios. Wir machen noch einen kleinen Spaziergang und sehen uns die örtlichen Kunstinstallationen an, aber zu vielem sind wir nicht mehr in der Lage, zumal es immer noch recht grau und feucht ist und außerdem diese kleinen, fiesen Mücken unterwegs sind, deren Bekanntschaft wir letztes Jahr schon gemacht haben. Statt dessen gönnen wir uns ein tolles Abendessen im angeschlossenen Restaurant - für Heiko Burger, für mich Fischsuppe - und fallen zügig in die Betten.

