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Sonntag, 23. 7. - Herumfaulen im Lyngdalen, Teil 2

Sonntag, 23. 7. - Herumfaulen im Lyngdalen, Teil 2

Aus Gründen brauchen wir ein bisschen, um morgens in die Gänge zu kommen und machen uns nach dem Frühstück auf zu einem Spaziergang auf den Schutthügel oberhalb des Camps, die nicht weiter benannte Anhöhe 596. Der Anstieg geht in einer direkten Linie fast komplett über Geröll, das mal fest ist, mal nicht - anfangs sehr anstrengend, aber nach einer gewissen Zeit tritt ein Gewöhnungseffekt ein. Von der Anhöhe haben wir einen schönen Blick auf die Zunge des Sydbreen und das Veidalen, ein relativ tief eingeschnittenes Tal, in dem man vorbei an mehreren Seen theoretisch die Lyngsalpen durchqueren könnte. Wasser muss man allerdings mögen und Geröll wahrscheinlich auch!

Im übrigen sind auch unsere Freunde, die Fliegen wieder dabei. Je mehr wir schwitzen, desto zahlreicher treten sie in Erscheinung.

Beim Abstieg finden wir in einer Senke ein Altschneefeld und füllen unsere Trinkflasche damit; auf dem Weg zum Zelt entsteht dann die Idee, uns damit einen Eistee zuzubereiten, denn uns beiden ist ziemlich warm. Der Einfall wird direkt in die Tat umgesetzt; mit wenig Wasser gibt es einen starken Hagebuttentee, dann kippen wir den Schnee dazu. Es ist eiskalt schmeckt hervorragend!

Da unsere Telefone ja beide aus sind, weil sie so leer waren, dass ich die restlichen 10% Akku für Notfälle bewahren will, gibt es von diesem Tag keine Handyfotos, sonst hätte ich die Eisteezubereitung bestimmt dokumentiert.

Nach der Wanderung legen wir die Isomatten ins Freie und lesen; es lassen sich sogar ein paar Sonnenstrahlen blicken. Gegen Nachmittag packen wir das Zelt zusammen und machen uns auf den Weg zurück Richtung Talboden - heute wollen wir in der Nähe der Brücke campen und morgen dann, vielleicht auf der anderen Flußseite, zurück zum Auto wandern.

Der Abstieg ist erstaunlich unwegsam, vor allem, als wir tiefer kommen und die Vegetation dichter wird. Es gibt unheimlich viele Blumen; neben den Bekannten wie Glockenblumen und Trollblumen auch das rosa blühende stengellose Leimkraut und Bachsteinbrech, der in diversen Schattierungen von gelb bis rot daherkommt - teilweise direkt nebeneinander.

Bachsteinbrech in Aktion

Auf dem Talboden finden wir einen komplett ebenen Zeltplatz auf Schotter, durch einen kleinen Birkenhain abgeschirmt von Blicken durch die Hütte, wo wir immer wieder mal Wanderer kommen und gehen sehen. Wir richten das Zelt ein und ich bin so müde, dass ich direkt für eine Stunde einschlafe.

Als ich wieder wach bin, ist es früher Abend und Heiko beschließt, einen Spaziergang zur Hütte zu machen, um die "fasiliteter" aufzusuchen. Ich habe keine Lust, treibe mich aber ein wenig vor dem Zelt rum - seit wir angekommen sind, hat der Himmel aufgeklart und ein schönes, klares Abendlicht liegt über dem Talboden. Es ist irre, wie lange ich brauche, um zum nächsten Arm des Gletscherflusses zu kommen, der hier eher auf der anderen Talseite verläuft. Ich setze mich eine Weile an die Böschung, lese und höre dem Wasser zu, von dem ich nicht mal ermessen kann, ob es knie- oder hüfttief sein mag - klar ist, dass ich bei dieser Strömung keinesfalls hineinsteigen wollte.

Hier auf dieser steinigen Ebene zwischen den hohen Bergen und dem Eis fühle ich mich sehr klein.

Als ich zum Zelt zurücklustwandle, kommt mir Heiko schon von der Brücke her entgegengetrabt und wir machen uns Abendessen. Es gibt die letzte und vielleicht leckerste Trekkingmahlzeit: Couscous mit Linsen und Gemüse von Real Turmat.